Sport : Eiskalt erwischt

Leverkusen verliert in letzter Minute 2:3 im Achtelfinale der Europa League gegen Villareal

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Ins Trudeln geraten. Bayer Leverkusen, hier Sidney Sam, verspielte eine gute Ausgangsposition. Foto: dpa
Ins Trudeln geraten. Bayer Leverkusen, hier Sidney Sam, verspielte eine gute Ausgangsposition. Foto: dpaFoto: dpa

Alle im Stadion hatten sich auf ein Unentschieden eingerichtet, niemand rechnete Donnerstagabend in Leverkusen damit, dass noch etwas passieren würde. Es war schließlich schon die vierte Minute der Nachspielzeit, es stand 2:2 im Europa-League-Spiel von Bayer gegen den FC Villarreal, aber es passierte doch noch etwas: Die Spanier erzielten das 3:2, Nilmar versetzte die Zuschauer und die Bayer-Profis in einen Schockzustand. Es war die erste Niederlage für die Leverkusener im laufenden Wettbewerb. Im Achtelfinal-Rückspiel in Spanien steht die Mannschaft am nächsten Donnerstag (17. März, 21.05 Uhr) nun enorm unter Druck.

Die Spanier benötigten für ihre drei Treffer exakt vier Torschüsse. „Wir sind bei den Kontern eiskalt erwischt worden“, stöhnte Mittelfeldspieler Simon Rolfes, „aber wir haben es Villarreal auch leicht gemacht.“ Stürmer Stefan Kießling war „einfach nur sauer.“ Drei Chancen für den Gegner, drei Tore, das dürfe nicht passieren. „Und das alles nur, weil wir am Ende noch schön spielen wollten. Wir waren nicht kaltschnäuzig genug.“ Auch Torwart René Adler war enttäuscht: „Solche Spiele hasst du als Torwart. Wir haben uns selber geschlagen.“

Dabei hatten die Gastgeber – ohne Ersatzbankverweigerer Michael Ballack, dafür wieder mit Abwehrchef Sami Hyypiä und Eren Derdiyok – das Geschehen vor der Pause klar bestimmt. Nach 32 Minuten gingen die Leverkusener durch einen platzierten Aufsetzer von Linksverteidiger Michal Kadlec auch verdient in Führung. Für die Elf von Trainer Jupp Heynckes lief alles wie gewünscht – bis zur 42. Minute. Da legten die Gäste plötzlich ihre Trägheit ab, brachten, vorbei an Bayers schlecht verteilten Innenverteidigern Daniel Schwaab und Stefan Reinartz, Angreifer Giuseppe Rossi in Position, der mühelos den Ausgleich besorgte.

Das Unentschieden schmeichelte Villarreal sehr. Dem Sekunden zuvor eingewechselten Nilmar war das vollkommen egal, er brachte, ungewollt unterstützt von Kadlec und Reinartz, die effektiven Spanier in der 70. Minute sogar in Führung. Leverkusen reagierte wütend, erzielte durch Gonzalo Castro auch umgehend das 2:2 (72.), doch in der vierten Minute der Nachspielzeit versetzte Nilmar der Leverkusener Elf möglicherweise den Todesstoß im europäischen Wettbewerb.

„Das ist sehr bitter für meine Spieler. Wir haben sehr gut gespielt und waren die wesentlich bessere Mannschaft“, sagte Heynckes nach dem Spiel, machte der Mannschaft aber auch Mut: „Wir sind sehr auswärtsstark, haben auswärts immer viele Tore erzielt. Es ist selbstverständlich, dass wir da hinfahren, um die Runde noch zu drehen.“ Auch das Team glaubt noch an die Wende: „Wir haben alle Chancen um weiterzukommen“, sagte Rolfes. „Wir waren klar überlegen und hatten viel mehr vom Spiel.“ Die Leverkusener müssen das Rückspiel nun mit mindestens zwei Toren Vorsprung gewinnen. Schießen die Spanier mehr als drei Treffer, reicht ein Tor Vorsprung.

Mit der Niederlage rückt Trainer Heynckes kurzzeitig aus dem Fokus. Die Frage, ob er in Leverkusen seinen Vertrag verlängert, zu Bayern München oder Schalke 04 geht, war zuletzt das beherrschende Thema bei der Werkself. In knapp drei Wochen, nach den Ligapartien gegen Mainz und Schalke, sagte Heynckes vor dem Spiel, wolle er mit der Bayer-Führung endlich „um eine Entscheidung“ in der Vertragsfrage „ringen“. mit dpa

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