Sport : Eiskalt erwischt

Die Frankfurt Lions bringen den EHC Eisbären mit ihrem 4:3-Sieg in der Verlängerung im Play-off-Finale in arge Nöte

Claus Vetter

Berlin. Es dauerte lange, fast drei Stunden. Dann fand ein dramatisches Eishockey-Spiel ein jähes Ende, die 21 Herren in den schwarzen Trikots sprangen freudig über das Eis im Sportforum. Die Frankfurt Lions jubelten überschwänglich, denn sie hatten das dritte Finalspiel um die deutsche Meisterschaft gewonnen - dank ihres Stürmers Martin Reichel, der einen Abpraller ins Tor des Gegners gestochert hatte. Reichel hatte nach zehn Minuten in der Verlängerung mit seinem Tor dafür gesorgt, dass der Traum von der deutschen Eishockey-Meisterschaft für die Berliner Eisbären jetzt nur noch schwer realisierbar erscheint. Beim Verlierer sagte die Körpersprache alles: Die Eisbären verließen blitzschnell und mit hängenden Köpfen das Eis. Sie hatten 3:4 (1:0, 2:2, 0:1, 0:1) nach Verlängerung verloren. In der nach dem Modus „Best of five“ gespielten Play-off-Serie liegen sie 1:2 zurück. Nun sind die Lions nur noch einen Sieg vom Titel entfernt, bereits am Freitag beim Spiel in Frankfurt können sie Deutscher Meister werden.

5000 Zuschauer im ausverkauften Sportforum hatten ein intensives, aber nicht immer ansehnliches Spiel gesehen. Der Frankfurter Sieg war glücklich, das musste selbst ihr Trainer zugeben. „Es war eine tolle Leistung von beiden Mannschaften“, sagte Rich Chernomaz. „Das letzte Tor fiel für uns glücklich, für Reichel war es natürlich super.“ Dem Coach des Verlierers war hingegen nicht nach Superlativen zumute. Trotzdem, Eisbären-Trainer Pierre Pagé beherrschte sich. „Wir haben mehr Chancen gehabt als Frankfurt. Ich kann meinem Team keinen Vorwurf machen.“

Beide Mannschaften waren nervös, ihre Fehlerquoten lagen hoch, mitunter wurde auf dem Eis mehr gerauft als gespielt. Schiedsrichter Gerhard Lichtnecker hatte Mühe, die Übersicht zu behalten. Als Frankfurts Michael Hackert seinem Berliner Gegenspieler einen Stockschlag auf das Knie verpasst hatte und Fairchild theatralisch zurück auf die Auswechselbank kroch, war der Unparteiische nicht im Bilde. Er hatte die Szene nicht gesehen, verhängte aber nach langem Zögern eine Spieldauerstrafe gegen Hackert. Fairchild ging es danach plötzlich besser: Der US-Amerikaner stand schon beim folgenden Berliner Überzahlspiel wieder auf dem Eis. Die Eisbären konnten das Powerplay zum Führungstor nutzen, Steve Walker traf im Nachschuss zum 1:0. Aber selbst nachdem Fairchild anfangs des zweiten Abschnitts nach sehenswerter Vorarbeit von David Roberts das zweite Berliner Tor geschossen hatte, legten die Eisbären ihre Nervosität nicht ab.

Mike Harder gelang der Anschlusstreffer für die Gäste, Jesse Belanger sogar – nach einem Fehler von Rob Shearer – das 2:2. Die Lions wurden nun immer selbstbewusster, kamen dann aber durch Undiszipliniertheit zwischenzeitlich wieder vom Weg ab. Ihr Stürmer Jason Young musste von der Strafbank aus ansehen, wie Florian Keller mit einem Schlagschuss den Puck unter die Latte des Frankfurter Tores schoss.

Die 3:2-Führung der Eisbären hielt allerdings nur bis zwölf Minuten vor Schluss: Dann überwand Michael Bresagk Eisbären-Torhüter Oliver Jonas mit einem Distanzschuss. Keller, gestern der beste Berliner Spieler, hätte nach dem 3:3 seinen sehenswerten Sololauf mit dem 4:3 krönen können, doch der Stürmer scheiterte am gut disponierten Frankfurter Torwart Ian Gordon. Der Sieger musste schließlich in der Verlängerung gefunden werden.

Durch Reichels Tor sind die Berliner nun im Zugzwang, auch wenn Frankfurts Rich Chernomaz davon nichts wissen will. „Wir haben weiter keinen Vorteil“, sagte er. „Nur wenn wir wieder so spielen wie heute, dann haben wir vielleicht im vierten Spiel eine Chance.“ Das war stark untertrieben. Frankfurt hat nun zwei Matchbälle, den ersten wollen die Hessen nutzen. „Wir fokussieren uns nur auf das Spiel am Freitag“, sagte Siegtorschütze Martin Reichel. „Wir wollen es dann auf jeden Fall zu Ende bringen.“

Resigniert haben die Eisbären indes noch lange nicht. Ihr Trainer Pierre Pagé sagt: „Wir können erzählen was wir wollen, wir müssen am Freitag unseren Job erledigen. Und das wollen wir.“

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