Sport : Eiskunstlauf: Auch ohne Strapse in die Top Ten

Plätze auf dem Siegerpodest sind unerreichbar. Deutschlands Eiskunstläufer kämpfen bei den am Montag beginnenden Europameisterschaften in Bratislava nur um den Anschluss. "Perspektiven auf internationale Medaillen sind langfristig zu sehen." Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU), beschreibt hübsch verklausuliert die aktuelle Misere. Noch vor drei Jahren verpasste die zu Wochenbeginn zurückgetretene ehemalige WM-Dritte Tanja Szewczenko den Titel bei der EM nur um Kufenbreite. Für ihre Nachfolgerin Susanne Stadlmüller wäre es schon "ein Traum, mit einer Top-Ten-Platzierung einen zweiten Startplatz zu holen". Die 16 Jahre alte EM-Debütantin und zweimalige deutsche Meisterin gilt als Hoffnungsträgerin.

Das kann man ihrem Oberstdorfer Trainingskollegen Silvio Smalun nicht behaupten. Der deutsche Meister gehört seit Jahren keinem DEU-Kader mehr an und musste um seine Zugehörigkeit zur Sportfördergruppe der Bundeswehr förmlich betteln. Smalun ist ein ungeliebter Zufallsmeister, verbandsintern setzt man lieber auf den Zweiten, Andrejs Vlascenko. Der 26-Jährige, wie Szewczenko vor drei Jahren in EM-Medaillennähe, hat aber schon seine besten Zeiten hinter sich. Dass der gebürtige Russe überhaupt zum deutschen Aufgebot zählt, verdankt er nur der Sprunggelenkverletzung von Junioren-Weltmeister Stefan Lindemann, der wegen der im November 2000 erlittenen Blessur den von der DEU geforderten Leistungsnachweis nicht erbringen konnte und seine Teilnahme absagen musste.

Bestehen konnten einen solchen Test zur Wochenmitte die Berliner Mariana Kautz und Norman Jeschke. Wie Lindemann litt die 20-Jährige lange an einer Sprunggelenkverletzung, die einen Start bei den nationalen Titelkämpfen Anfang Januar in Oberstdorf verhinderte. Trainer Knut Schubert: "Der Druck ist groß. Ich wäre froh, wenn sie ihren neunten Platz aus dem Vorjahr wiederholen könnten."

Rang fünf von der EM 2000 in Wien zu verteidigen, damit wären auch ihre Vereinskollegen Kati Winkler und Rene Lohse zufrieden. Die Weltklasse-Eistänzer verpassten die Deutsche Meiterschaft wegen Krankheit, wollen aber ihre Position inmitten der Top-Paare weiter festigen. Nur die Tatsache, dass Kati Winkler nicht mehr mit Strapsen zum Charleston im Originaltanz bitten darf, regt die beiden auf. Lohse: "Es passt genau zu ihrer Rolle auf dem Eis."

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