Sport : Eiskunstlauf: Befreiung von der Leibeigenschaft

Die Hoffnungsträger der Deutschen Eislauf-Union (DEU) bei den gestern eröffneten Eiskunstlauf-Europameisterschaften heißen Kati Winkler und René Lohse (SC Berlin). Im Vorjahr hatten sie sich auf den fünften EM-Rang vorgetanzt und hatten damit als Beste des DEU-Aufgebots abgeschnitten. Diese Ausgangsposition sowie die Qualifikation im aktuellen Eislaufwinter für das Grand-Prix-Finale der besten sechs Duos hatten die Hoffnungen genährt, die Berliner Eistänzer könnten nun bei der EM in Bratislava einen Blick auf das Medaillentreppchen richten. Doch die viermaligen Deutschen Meister müssen solcherlei Ambitionen wohl auf die Zeit nach Salt Lake City verschieben, wenn vor ihnen rangierende Paare abgetreten sind. Denn der Weltverband ISU protegiert deutlich Galit Chait und Sergej Sachnowski aus Israel. Das aus Russland ausgewanderte Paar war bei den EM 2000 noch hinter Winkler/Lohse, lag aber dann bei der WM in Nizza vor ihnen. Wie man hört, sähe es ISU-Präsident Ottavio Cinquanta (Italien) aus sportpolitischen Gründen gern, wenn die Israelis 2002 olympisches Edelmetall abbekämen.

Mit einer Korrektur des choreografischen Aufbaus der Kür hat Trainer Martin Skotnicky versucht, den Aufstieg fortzusetzen. "Wir haben unsere Gospelkür neu zusammengefügt. Wir verkörpern zu Beginn das Leid der Sklaven und am Ende die Freude über die Befreiung von der Leibeigenschaft. Das Finale wirkt damit schwungvoller", beschreibt Lohse die Änderungen des Programms. Dabei trennen sich die beiden Sportsoldaten sogar von bisher üblichen Grundregeln, um bei den Juroren besser anzukommen. Denn in der Schlussphase ist Tempo bei den Preisrichtern mehr gefragt als technisch sauberes Laufen. Ein weiteres Zugeständnis mussten die Berliner schweren Herzens machen: Kati Winkler verzichtete auf die attraktiven Strapse in ihrem Charleston nach "Cabaret", weil dies vermutlich einige Damen des Preisgerichts als allzu gewagt empfanden. Eine Bronchitis bei Kati und eine Fischvergiftung von René zu Beginn des Jahres erhöhte bei den "Umbauarbeiten" den Zeitdruck und führte zum Startverzicht bei den nationalen Titelkämpfen Anfang Januar in Oberstdorf.

"Keiner konnte es uns genau sagen, aber irgendwas fehlte an der Kür, das haben wir gespürt. Jetzt ist sie besser geworden", meint Kati Winkler. Auf eine EM-Platzierung lassen sich die beiden aber vorsichtshalber nicht festlegen. Lohse: "Es gilt, eine gute Leistung zu zeigen und einen weiteren Schritt Richtung Olympia zu machen."

Die Mormonenstadt in Utah ist somit nicht mehr Endstation Sehnsucht für Winkler/Lohse. Nun planen die beiden 27-Jährigen bis zur WM 2004. Die findet voraussichtlich in Dortmund statt, und mit dem Heimvorteil ist dann vielleicht der Tanz aufs Siegertreppchen möglich.

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