Eiskunstlauf-EM : Die allerletzte Nervenprobe

Vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi trifft das deutsche Eiskunstlauf-Paar Sawtschenko/Szolkowy bei der EM in Budapest ein letztes Mal auf seine großen Konkurrenten aus Russland.

von
Das deutsche Paar kämpft bei den Winterspielen in Sotschi um seine erste olympische Goldmedaille.
Das deutsche Paar kämpft bei den Winterspielen in Sotschi um seine erste olympische Goldmedaille.Foto: Imago

Es hatte Gerüchte gegeben über eine mögliche Absage für die Eiskunstlauf-Europameisterschaft. Diese entbehrten aber, folgt man Ingo Steuer, dem Trainer der viermaligen Paarlauf-Welt- und Europameister Sawtschenko/Szolkowy, jeglicher Grundlage. „Es war immer unser Plan, dass wir hierher kommen“, sagte der Paarlauf-Weltmeister von 1997 am Donnerstag nach dem ersten Budapest-Training der beiden Mitfavoriten auf olympisches Gold in Sotschi.

Nun sind sie da, und nun sind auch die Rückenschmerzen von Aljona Sawtschenko, von denen zuvor zu hören war, „nach der Landung weg gewesen“, wie die zierliche Blondine am Ort der EM mitteilte. Schmerzfrei und unempfindlich will das Chemnitzer Paar in der Syma-Halle auf alles reagieren, was sich ihnen in den Weg stellen sollte. Seien es die großen russischen Rivalen und Titelverteidiger Wolososchar/Trankow oder die Preisrichter, die bei diesem Probelauf auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi bisher sehr Russland-freundlich gewertet haben. In der Paarlauf-Konkurrenz gehört immerhin ein Deutscher dem vorgeblich neutralen Gremium an.

Trainer Steuer und seine Meisterschüler, die im Dezember beim Grand-Prix-Finale in Fukuoka die favorisierten russischen Welt- und Europameister besiegt haben, blicken der EM gelassen entgegen, die Steuer zu einem „Wettkampftraining“ herabgestuft hat. Seine Läufer seien vor allem deshalb in der ungarischen Hauptstadt, „weil wir vor Publikum noch mal unsere Programme zeigen wollen“. Und wenn am Ende Wolososchar/Trankow Erste sind? „Das Ergebnis“, kontert der Sachse, „spielt für uns keine Rolle. Wir haben das Grand-Prix-Finale gewonnen und wissen, dass wir konkurrenzfähig sind.“

Dem Paar, das die vergangene Dekade im Paarlauf wie kein anderes geprägt hat, blieb die olympische Goldmedaille bisher verwehrt. 2006 bei den Spielen von Turin waren sie noch Newcomer und wurden am Ende Sechste weit hinter den Russen Totmianina/Marinin; 2010 in Vancouver war nach zwei Welt- und drei Europameistertiteln Gold das Ziel, doch es wurde Bronze, hinter den chinesischen Paaren Xue/Shen und Pang/Tong. In Sotschi drohen nun die russischen Rivalen Wolososchar/Trankow, Europameister der vergangenen beiden Jahre und Weltmeister 2013, den Deutschen den großen Coup auf der Zielgeraden einer nahezu elfjährigen Erfolgskarriere zu verbauen.

Vor allem die 30-jährige Sawtschenko dürfte mit gelegentlich seltsamen Gefühlen auf ihre langjährige ukrainische Kollegin und Wegbegleiterin Tatjana Wolososchar schauen. Sie, die stets erfolgreicher und mit ihrem früheren Partner Stanislaw Morosow 2000 Juniorenweltmeisterin war, sieht seit längerem, dass ihr die drei Jahre jüngere Rivalin auf der Spur ist. So übernahm Wolososchar den Platz an Morosows Seite. Wie Sawtschenko, die 2005 Deutsche wurde, wechselte auch sie dem Sport zuliebe die Nationalität. Die Russin mutet, genauso blond wie die Chemnitzerin, auf dem Eis ähnlich entschlossen wie ihre Widersacherin an, mit der sie einst in Kiew unter der Trainerin Galina Kuchar gemeinsam trainierte.

Inzwischen sind die von Steuer und Nina Mozer trainierten Paare der Konkurrenz weltweit enteilt, so dass jeder Wettbewerb, bei dem Sawtschenko/Szolkowy und Wolososchar/Trankow gegeneinander antreten, auch zu einer Nervenprobe wird. „Wir haben gezeigt, wer hier Chef im Haus ist“, beurteilte Aljona Sawtschenko vor ein paar Wochen den Überraschungserfolg beim Grand-Prix-Finale über die bis dahin makellos durch die Saison geschwebten Russen.

Zu solchen Äußerungen lässt sich Aljona Sawtschenko vor der EM, die für sie am Freitagnachmittag mit dem Kurzprogramm beginnt, und den Winterspielen in Sotschi aber nicht hinreißen. Sie sagt stattdessen: „Ich bin ich, und ich bleibe ich. Und wir selbst haben uns zu denen gemacht, die wir heute sind“ – ein Paar mit goldenen Aussichten auf den Feierabend ihrer Karriere.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben