Eiskunstlauf : Gerangel im Schatten der Stars

Nicht bloß Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy prägen die Eiskunstlauf-Meisterschaften. Spannend ist auch die Frage: Gibt es eine Tendenz, dass sich das deutsche Eiskunstlaufen international wieder positiv entwickelt?

Frank Bachner[Oberstdorf]
Eiskunstläufer
Traumpaar on ice: Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy. -Foto: dpa

Der Wurfflip rückt in der Kür nach vorne, das ist schon mal sicher. Vielleicht fliegt ja auch der dreifache Salchow aus dem Programm, aber das wusste Ingo Steuer bis gestern noch nicht. Das wird er kurzfristig entscheiden. Man wird es ja sehen bei den deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften in Oberstdorf. Die beginnen heute, und das Duo Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy, trainiert von Steuer, wird das Paarlaufen gewinnen, das steht wie üblich schon frühzeitig fest. Die Weltmeister haben keine ernsthaften Konkurrenten, und das Programm stellen sie bestimmt nicht wegen ihrer nationalen Kollegen um. Sawtschenko/Szolkowy haben das Grand-Prix-Finale am Sonntag in Goyang, Südkorea, etwas verpatzt, deshalb reagiert Steuer, der Perfektionist. In Goyang wurden die Weltmeister nur Dritte.

In Oberstdorf werden sie ihren sechsten nationalen Titel gewinnen, sie sind die Highlights der Titelkämpfe, aber sie überstrahlen trotz ihrer Extraklasse nicht alles. Es ist zum Beispiel interessant, wie sehr sich Mari-Doris Vartmann und Florian Just gesteigert haben. Bei den vergangenen Meisterschaften in Dresden hatte Steuer die beiden öffentlich sehr heftig kritisiert wegen ihrer angeblich mangelhaften Einstellung. Das hatte sie enorm provoziert, sie trainieren nun konzentrierter. Und vielleicht können sie den Abstand zu den Weltmeistern verringern.

Das ist ohnehin die spannendste Frage dieser Meisterschaften: Können neben den Ausnahmeläufern Sawtschenko/Szolkowy allmählich andere Athleten eine gewisse Klasse erreichen? Gibt es eine Tendenz, dass sich das deutsche Eiskunstlaufen international wieder positiv entwickelt? In Oberstdorf geht es erst einmal um die Qualifikation zu den Europameisterschaften 2009, aber natürlich haben die Verantwortlichen schon die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver im Blick.

Die spannendsten Wettbewerbe in Oberstdorf finden in den Einzelkonkurrenzen statt. Bei den Männern fällt zwar Stefan Lindemann wegen einer Virusinfektion aus, aber es bleiben noch vier Titelanwärter, alle aus Berlin. Clemens Brummer kämpft vor allem gegen die Gebrüder Peter und Martin Liebers sowie den sehr ausdrucksstarken Philipp Tischendorf. „Ein Fehler genügt, dann büßt einer erheblich an Chancen ein“, sagt Reinhard Ketterer, der Leitende Landestrainer aus Berlin. Wichtig sind die Plätze eins und zwei, die sichern die Teilnahme an den Europameisterschaften.

Auch bei den Frauen ist das Feld ausgeglichen. Annette Dytrt, die viermalige Meisterin, ist zwar Favoritin, aber sie ist nicht nervenstark. Schon im vergangenen Jahr hatte sie trotz großen Vorsprungs noch den Titelgewinn verpasst. Sie hat mal wieder den Trainer gewechselt, arbeitet jetzt mit Michael Huth, der auch die italienische Weltklasseläuferin Carolina Kostner betreut. Eine ihrer größten Konkurrentinnen ist Sarah Hecken, die Titelverteidigerin. Die Mannhei merin gilt als das größte Talent des deutschen Eiskunstlaufs. Nur: Sie ist erst 15 Jahre alt und ist international noch nicht startberechtigt. Theoretisch dürfte sie aber in Vancouver laufen. Beim Eistanzen gelten die Titelverteidiger Nelli Zhiganshina/Alexander Gaszi als Favoriten.

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