Eiskunstlauf : Hoffen auf die vierte Chance

Warum Eiskunstläuferin Annette Dytrt juristisch um einen Start bei den Olympischen Spielen kämpft.

Frank Bachner
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Späte Meldung. Annette Dytrt muss die Olympia-Norm noch erfüllen. Foto: p-a/dpaEPA

Berlin - Die Zahlen leuchteten auf der Anzeigentafel auf: 126,01 Punkte. Die Zahlen wirkten nichtssagend für die Zuschauer in der Eishalle von Nagano. Für die Eiskunstläuferin Annette Dytrt aus München wirkten sie vernichtend. 128 Punkte hätte sie laufen müssen, dann hätte sie noch eine Chance gehabt auf einen Start bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver. 128 Punkte sind die Norm. Nagano war der dritte Qualifikationswettbewerb für Dytrt. Zweimal hat die fünfmalige Deutsche Meisterin die Norm verpasst, einmal zu viel für den Start in Vancouver. Sarah Hecken, die 16-Jährige aus Mannheim, hat die Norm zweimal erfüllt. Sie erhält nun den einzigen deutschen Olympia-Startplatz bei den Frauen. Bis jetzt.

Annette Dytrt gibt nicht auf, sie will eine vierte Chance, beim Wettbewerb am Wochenende in Zagreb. Deshalb hat sie jetzt die Berliner Rechtsanwältin Karla Vogt-Röller eingeschaltet. Die soll ihr diese vierte Chance sichern und möglicherweise einen Olympiastart einklagen. Wenn Annette Dytrt in Zagreb die Norm erfüllt.

Es dürfte ein schwieriger Job werden für Vogt-Röller. Denn eigentlich sind die Qualifikationsregeln klar. Dass trotzdem juristisch gekämpft wird, dass Trainer, Sportler und Funktionäre die Nominierungskriterien hinterfragen, passt ins Bild eines krisengeschüttelten Verbands. Bei der Deutschen Eislauf-Union (DEU) läuft zurzeit selten etwas reibungslos. Auch das Dortmunder Eistanzpaar Carolina und Daniel Hermann sieht sich als Opfer, hat aber noch keinen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Den offiziellen Weg nach Vancouver hat die DEU im Sommer im Internet veröffentlicht. Wer bei drei vorab festgelegten hochklassigen Wettbewerben zweimal die Norm-Punktzahl erreicht, ist qualifiziert. Gelingt das mehreren Sportlern, zählt, wer mehr Weltranglistenpunkte erreicht hat. Liegen auch dabei Sportler gleichauf, entscheidet das Ergebnis der deutschen Meisterschaft im Dezember.

Nur wurde bei einer Trainertagung im Juni von der DEU-Spitze angeblich eine andere Version verbreitet. Jedenfalls haben Frieder Dieck, der Vizepräsident des Landesverbands Nordrhein-Westfalen, und Dytrts Trainer Michael Huth das so verstanden. Ihre Version geht so: Die Athleten können so viele Wettbewerbe besetzen wie sie wollen, Hauptsache zweimal wird dabei die Norm erfüllt.

Dytrts erster Normwettkampf sollte die Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf sein. Diesen Start hat sie abaer ebenso abgesagt wie den für ihren zweiten Norm-Wettkampf, weil sie davon ausging, noch weitere Chancen zu bekommen. Tatsächlich aber wäre sie damit aus dem Rennen gewesen, doch die DEU erlaubte ihr den Start bei zwei Ersatz-Wettkämpfen. Nur in Graz kam sie über 128 Punkte. Huth ging selbst in Nagano noch davon aus, dass Dytrt, egal wo, nur zweimal die Norm erfüllen müsse.

Die DEU förderte die Verwirrung. Sie fragte den Deutschen Olympischen Sportbund, ob sie einen vierten Nominierungswettkampf erlauben könne. Abgelehnt, lautete die Antwort. Das gab die DEU als „Klarstellung“ weiter. Doch bei den Sportlern und Trainern kam das wie eine Kehrtwende an. Ihre bisherige Planung war zusammengebrochen. Hermann/Hermann hatten nach zwei verpatzten Norm-Wettkämpfen keine weitere Chance mehr, auch Dytrt ist scheinbar aus dem Rennen. Doch Vogt-Röller sagt: „Mit so unklaren Absprachen und Kriterien kann ein Verband nicht arbeiten.“ Sie hat jetzt die DEU gebeten, Zagreb als Qualifikationswettkampf für Dytrt anzuerkennen. Die Antwort steht aus.

Reinhard Ketterer, Leitende Landestrainer von Berlin, ist auch sauer. Allerdings auf seine Kollegen und ihre Sportler. „Wenn ein Trainer die Kriterien nicht richtig versteht, muss er bei der DEU nachfragen. Da kann ich nicht drei Monate später kommen.“ Für ihn seien die Normen klar gewesen, „und eine Änderung ist nicht erfolgt.“ Und überhaupt: Dytrt. Die habe ja gerade einmal mit Mühe die 128 Punkte erreicht. Bei der NRW-Trophy in Dortmund hatte er eine noch unbedeutende Junioren-Läuferin am Start. „Die hat ja schon 132 Punkte erreicht.“

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