Eiskunstlauf : Ingo Steuer: Schon wieder Widerstand

Die DOSB-Stasi-Kommission berät über Ingo Steuer. Nach Tagesspiegel-Informationen formiert sich im Gremium gerade Widerstand gegen den Erfolgstrainer.

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Ingo Steuer -Foto: dpa

Berlin - Aljona Sawtschenko hält sich an alle Vorgaben ihrer Ärzte. Sie trainiert wenig, sie hält jeden Untersuchungstermin ein, schließlich besteht Verdacht auf Pfeifersches Drüsenfieber. Aber noch ist ihr Olympiastart nicht akut in Gefahr, noch hofft die Eiskunstläuferin aus Chemnitz, dass sie mit Robin Szolkowy in Vancouver die Goldmedaille im Paarlauf gewinnt. Zweimalige Weltmeister sind die beiden ja schon.

Allerdings muss auch noch ihr Vertrauter um seine Olympiateilnahme bangen. Ingo Steuer, der Trainer des Paars, hat sein Ticket noch lange nicht. Das hatte sich vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zwar mal ganz anders angehört, aber diese Version war vorschnell. In Wirklichkeit entscheidet das DOSB-Präsidium erst am 22. Januar, ob der frühere Stasi-Spitzel Steuer offiziell an der Bande stehen darf. Und das ist im Moment alles andere als sicher. Denn sein Fall liegt gerade bei der Unabhängigen Stasi-Kommission des DOSB, und nach Tagesspiegel-Informationen formiert sich im Gremium gerade Widerstand gegen den Erfolgstrainer. Die Kommission spricht im Fall Steuer zwar nur eine Empfehlung aus, aber dass sich die DOSB-Spitze über die hinwegsetzt, ist zumindest zweifelhaft. Senkt die Mehrheit der fünf Kommissionsmitglieder den Daumen, ist Steuers Olympiateilnahme mithin sehr gefährdet. Da ist seinem Paar durchaus zuzutrauen, dass es aus Solidarität mit dem Trainer auf den Olympiastart verzichtet. DOSB-Sprecher Christian Klaue hält sich bedeckt: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“

Ärger ist programmiert. Darf Steuer offiziell nach Vancouver, spielt das seiner Anwältin Karla Vogt-Röller in die Hände. Die prozessierte in mehreren Verfahren gegen die Deutsche Eislauf-Union (DEU). Im einzigen noch offenen Verfahren geht es um die Honorierung von Steuer als Trainer. Der Coach bezahlt, außer bei Einladungs-Wettkämpfen, seit Jahren alles aus eigener Tasche: Flüge, Hotel, Verpflegung. Seine Gage als Trainer erhält er von Sawtschenko und Szolkowy. Auf Druck des Bundesinnenministeriums darf der 43-Jährige nicht mit einem Cent öffentlicher Gelder unterstützt werden – Reaktion auf seine Arbeit als „IM Torsten“. Doch als Mitglied der Olympiamannschaft profitiert Steuer natürlich von Steuergeldern. Offiziell jedenfalls lenkt das Ministerium bisher nicht ein.

Sollte Steuer aber abgelehnt werden, dann würde der gleiche juristische Kleinkrieg wie schon vor den Winterspielen 2006 in Turin beginnen. Da sicherte letztlich eine Zivilkammer des Landgerichts Berlin Steuers offizielle Teilnahme. Das damalige Nationale Olympische Komitee (NOK) hatte vergeblich versucht, es zu verhindern. Zuvor hatte die gemeinsame Stasi-Kommission von Deutschem Sportbund und NOK empfohlen, Steuer nicht fahren zu lassen. Zwei der damaligen Mitglieder sind heute in der DOSB-Stasi-Kommission. Bewertet wird wohl aber auch seine Reaktion zur eigenen Vergangenheit. Steuer hat seine Stasi-Mitarbeit mehrfach bedauert.

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