Eiskunstlauf : Kanada oder Chemnitz?

Bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Turin geht es auch darum, ob das erfolgreiche Paar Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy weitermacht.

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Warmlaufen auf Eis. Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy beim Training.
Warmlaufen auf Eis. Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy beim Training.Foto: dpa

Berlin - Natürlich zählt der Titel etwas, er zählt sogar sehr viel für Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy. Weltmeister im Paarlauf, das hätte etwas. Vor allem, wenn man zum dritten Mal in Folge gewinnt. Es wäre auch ein Trost für Platz drei bei Olympia. Sie waren doch die Favoriten in Vancouver gewesen. Aber in Turin bei der WM sieht es jetzt wieder danach aus, dass es mit Platz eins nicht klappt. Beim Kurzprogramm sprang Szolkowy den Toeloop nur zweifach. Das deutsche Paar liegt vor der heutigen Kür an dritter Stelle.

Von noch größerer Bedeutung ist deshalb eher die Frage: Machen sie weiter, Sawtschenko/Szolkowy und ihr Trainer Ingo Steuer? Als Trio? Gerüchte kursieren, dass Steuer nach Kanada zieht und Szolkowy angeblich in die Schweiz. Dort soll er eine neue Freundin haben. Und Sawtschenko soll dann mit dem Russen Maxim Trankow laufen, unter Steuers Regie. „Nach der Kür“, hatte Steuer angekündigt, „werden wir uns erklären.“

Die Antwort dürfte eher unspektakulär ausfallen. Szolkowy hat die Geschichte mit der Schweiz bereits dementiert, und dass Steuer nach Kanada zieht, „das weiß ich nur aus der Zeitung“, sagt Karla Vogt-Röller. Die Anwältin vertritt das Trio, sie weiß weder etwas von einem Karriereende noch von Wohnortwechseln. „Und ich müsste es eigentlich wissen.“

Trainer Ingo Steuer immer wieder im Blickpunkt

Karla Vogt-Röller hat auch noch einen Auftrag. Sie bereitet gerade das Verfahren Steuer gegen das Bundesverteidigungsministerium vor. Am 9. April wird in Frankfurt/Oder verhandelt, ob der frühere Stasi-Mitarbeiter Steuer Soldaten der Sportförderkompanie trainieren darf. Wegen seiner Spitzeltätigkeit bleibt ihm das seit Jahren verwehrt. Deshalb ist auch Szolkowy seit 2006 nicht mehr Sportsoldat. Sein Vertrag wurde nicht verlängert, weil er sich nicht von Steuer trennen wollte. Inzwischen hat er einen Antrag auf Wiedereingliederung in die Bundeswehr gestellt. „Der wird gerade wohlwollend geprüft“, sagt Vogt-Röller.

Im Übrigen ist er auch keineswegs bereit, auf die 250.000 Euro zu verzichten, die ihm die Deutsche Eislauf-Union (DEU) versprochen hat. Ihm und dem Paar. Die DEU hatte sich bereit erklärt, Sponsorengelder in dieser Höhe zu beschaffen, im Gegenzug würde Vogt-Röller auf alle Schadensersatzansprüche verzichten. Vogt-Röller konkretisiert nun: „Steuer ist bereit, notfalls zwei Schritte zurück zu gehen, um einen nach vorne zu kommen.“ Das bedeutet aber nur: „Wir sind bereit, nachzudenken, ob man den Zeitpunkt, zu dem das Geld gezahlt werden muss, verschiebt“, sagt die Anwältin.

Sollte der klamme Verband einen Zahlungsaufschub wünschen, dann muss er sich allerdings beeilen. Die Frist endet nach der WM.

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