Sport : Eiskunstlauf: Lindemann leidet

Bei den deutschen Eiskunstlauf-Titelkämpfen droht das mit Spannung erwartete Duell zwischen Stefan Lindemann und Andrejs Vlascenko zu platzen. Denn eine Fußverletzung des Junioren-Weltmeisters aus Erfurt lässt Lindemann um seinen Start an diesem Wochenende in Oberstdorf bangen. Trainerin Ilona Schindler hält dem Deutschen Meister die Teilnahme im Allgäu bis zuletzt offen: "Wir werden kein Risiko eingehen, dazu ist die Gesundheit zu wertvoll".

Wenn der 20-Jährige kurzfristig absagen muss, wäre der Weg frei für Vlascenko (München) zu dessen fünftem Titel. Und dann wäre der gebürtige Lette auch heißester Kandidat auf den einzigen Startplatz bei der Weltmeisterschaft Ende März in Vancouver. Bei der Europameisterschaft in drei Wochen in Bratislava dürften die Konkurrenten dagegen beide dabei sein. Denn für die Europameisterschaft ist Lindemann in jedem Fall gesetzt, bestätigte DEU-Präsidentin Angela Siedenberg, "weil er im letzten Jahr unter die Top Ten gekommen war".

Dafür muss die langwierige Sprunggelenksverletzung, die sich der EM-Achte beim Grand Prix Mitte November in Gelsenkirchen zugezogen hatte, ausgeheilt sein. Wegen des immer wieder anschwellenden Fußes konnte der Vorjahres-Aufsteiger bisher nur wenig auf Eis trainieren. Ob er seinen Trainingsrückstand aufholen kann, ist fraglich. Schon die Saisonvorbereitung stand bei dem Gymnasiasten unter schlechten Vorzeichen: In einem neuen Schlittschuh zog sich der Thüringer eine chronische Sehnenentzündung zu, dann konnte er kaum trainieren, weil die Eishalle in Erfurt umgebaut wurde.

Vor Elan strotzt dagegen Vlascenko im vorolympischen Winter. "Ich fühle mich so fit wie schon lange nicht mehr", sagt der 26-Jährige, dem der Wechsel von Füssen nach München zu Trainerin Steffi Ruttkies gut getan hat. "Demnächst will Vlascenko den vierfachen Salchow zeigen", kündigt Ruttkies an. Einen Vierfach-Sprung muss der elegante Läufer allerdings auch drauf haben, wenn er bei der EM in drei Wochen in Medaillennähe laufen will. "Er will seinen fünften deutschen Titel und danach bei EM und WM gut abschneiden", bremst Ruttkies allzu hohe Erwartungen an den Siebten der Europameisterschaft des Vorjahres.

Zu den Schützlingen der Münchner Trainerin gehört zudem auch Eva-Maria Fitze, die nach einer überstandenen Bulimie-Erkrankung jetzt zurück auf dem Eis ist. Nach einer 16-monatigen Wettkampfpause ließ die inzwischen 18-Jährige im Dezember mit einem zweiten Platz bei einem Juniorenwettbewerb in Zagreb aufhorchen. Von erneuten Titelambitionen will Steffi Ruttkies aber nichts hören, denn ihre sensible Läuferin soll behutsam aufgebaut werden. Die Bürde der Favoritin soll die Deutsche Meisterin der Jahre 1997 und 1999 noch nicht tragen.

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