Eiskunstlauf : Neue Gefühle auf dem Eis

Bei der deutschen Meisterschaft in Oberstdorf bestätigen die jungen deutschen Eiskunstläufer ihre positive Entwicklung. Bei internationalen Wettkämpfen haben sie aber nach wie vor nur in der Teamkonkurrenz Chancen.

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Wer hört, kann fühlen. Sarah Hecken gewann den Meistertitel, weil die 17-Jährige inzwischen die Musik spürt.
Wer hört, kann fühlen. Sarah Hecken gewann den Meistertitel, weil die 17-Jährige inzwischen die Musik spürt.Foto: dpa

Reinhard Ketterer löste sich von der Bande. Die ganze Zeit hatte er dagegen gelehnt und den jungen Mann beobachtet, der vor ihm auf dem Eis lief. Jetzt richtete sich der leitende Landestrainer von Berlin auf und sagte begeistert ins Nirgendwo: „Der Dreifach-Axel war gigantisch.“ Peter Liebers hatte ihn gerade gesprungen. Der 22-Jährige vom SC Berlin hatte sich damit den Sieg bei der deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaft in Oberstdorf quasi gesichert. Er patzte beim zweiten dreifachen Axel und bei der Kombination, egal: Er hatte schon nach dem Kurzprogramm einen so klaren Vorsprung, dass er nicht mehr einzuholen war.

Liebers steht für den Gesamteindruck bei den Titelkämpfen. Es läuft ganz gut, aber es ist noch einiges verbesserungsfähig. In Europa sind die deutschen Eiskunstläufer einigermaßen konkurrenzfähig, es gibt bescheidene positive Signale. Liebers ist eines davon. Seine Ausstrahlung hat enorm gewonnen. Bei der EM in Bern Ende Januar traut Ketterer Liebers einen Platz unter den Top Ten zu. Das ist im Moment in Deutschland das Maß aller Dinge, „aber er hat noch Potenzial nach oben“, sagt Ketterer.

Das gilt auch für Sarah Hecken, die 17-Jährige aus Mannheim, die vor ihrer Teamkollegin Katharina Häcker gewonnen hatte. Hecken sagt, bei ihr hat es „inzwischen Klick gemacht“. Sie hat mittlerweile begriffen, dass die Ausstrahlung genauso wichtig ist wie gute Sprünge. Hecken galt immer als jemand, der gut springen kann, aber Choreografie nahm sie hin wie Wind und Regen. „Aber jetzt spüre ich auch die Musik, jetzt weiß ich, dass man sie richtig präsentieren muss“, sagt sie. Bei den Olympischen Spielen hat sie das begriffen, als sie ihre Weltklasse- Konkurrentinnen beobachtet hatte.

Im Eistanz haben Nelli Schiganschina und Alexander Gazsi auch etwas begriffen. Dass man hart arbeiten muss. „Unser Trainer hat uns erklärt, dass der Erfolg nicht vom Himmel fällt“, sagt Schiganschina. Die beiden haben vor allem ihre alte Schwäche, die Technik, erheblich verbessert. „Sie haben fast überall die höchsten Level für technische Elemente erhalten“, sagte der Preisrichter Jörn Lucas. Er stuft das Paar derzeit auf Top-Zwölf-Niveau in Europa ein. Bundestrainer Martin Skotnicky ist da vorsichtiger. „Sie haben keine Grand-Prix-Serie gefahren“, sagt er. „Sie müssen sich erst wieder bei den Preisrichtern bekannt machen.“

Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy waren natürlich wieder eine Liga für sich. Auch wenn Szolkowy zwei Mal stürzte. „Ich hatte einen leichter Fieberanfall“, sagte er, „deshalb hatte ich nicht die Kraft, die Sprünge durchzuziehen.“ Zum Titel reichte es trotzdem. Spannender ist, was sich in ihrem Schatten entwickelt. Maylin Hausch und Daniel Wende haben beim Grand Prix in Paris überraschend Platz drei belegt. Sie haben dort synchron Dreifach-Toeloop und Dreifach-Salchow gestanden. Im vorigen Jahr haben sie diese Sprünge nur doppelt gezeigt. Wegen einer Erkältung mussten sie in Oberstdorf kurzfristig absagen, aber bei der EM können sie durchaus in die Top Ten kommen.

Die Deutschen mögen mit einer Ausnahme international nur zweitklassig sein, aber sie haben in jeder Disziplin Athleten, die mithalten können. Im Hinblick auf Olympia 2014 ist das durchaus von Bedeutung. Dort könnte es einen Wettbewerb geben, bei dem jene Teams Medaillen gewinnen, die alle Sparten vernünftig besetzen. So viele Nationen gibt es nicht. Deutschland ist eine davon.

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