Eiskunstlauf : Neue Reisefreiheit

Der Stasi-belastete Trainer Ingo Steuer soll diesmal ohne Auflagen für Olympia nominiert werden.

Friedhard Teuffel
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Wieder an der Bande. Ingo Steuer soll mit nach Vancouver fahren.Foto: dpadpa

Berlin - Die deutsche Olympiamannschaft bekommt an diesem Donnerstag ihre ersten Gesichter, das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) trifft sich zur ersten Nominierungsrunde in Frankfurt am Main. Und entweder jetzt oder bei der zweiten Runde am 22. Januar wird das Präsidium zwei strittige Personalfragen aus dem Eiskunstlaufen zu klären haben: Ob Trainer Ingo Steuer und Sportdirektor Udo Dönsdorf mit nach Vancouver fahren dürfen.

Der Fall Steuer hatte den DOSB schon vor vier Jahren beschäftigt. Vor den Winterspielen in Turin 2006 wurde die Stasi-Mitarbeit des Paarlauf-Weltmeisters öffentlich. Das schloss eine Betreuung seines Laufpaars Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy bei den Winterspielen aus, doch Steuer erzwang seine Nominierung als Trainer per Gerichtsbeschluss. Seitdem ist der Streit zwischen ihm, der Deutschen Eislauf-Union und dem Bundesinnenministerium als öffentlicher Förderer von einer Runde in die nächste gegangen. Sawtschenko und Szolkowy zeigten trotz dieser Querelen herausragende Leistungen auf dem Eis und wurden sogar Weltmeister. Für die Olympischen Spiele im Februar in Kanada gehören sie daher zu den Favoriten.

Am Mittwoch hat nun ein Mitarbeiter des DOSB eine Tendenz vorgegeben. „Steuer ist eingeplant und vom Eislauf-Verband vorgeschlagen, seitens des Sports gibt es keine Einwände“, sagte Hubertus Schulte der Deutschen Presse-Agentur. „Es sind keine neuen Erkenntnisse aufgetaucht, zudem hat er sich entschuldigt“, sagte Schulte, der als Referent der Abteilung Leistungssport auch für Steuers Olympiastützpunkt Chemnitz/Dresden zuständig ist. Die Entscheidung liegt jedoch beim Präsidium des DOSB.

Steuer selbst war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen. Seine Rechtsanwältin Karla Vogt-Röller sagte: „Mit der Nominierung habe ich auf jeden Fall gerechnet.“ Sie hatte in diesem Jahr angekündigt, den Trainer notfalls wieder auf dem Rechtsweg zu den Olympischen Spielen zu bringen. „Ich habe nun die große Hoffnung, dass der feindliche Bann aufgelöst wird“, sagte die Berliner Juristin. Das Bundesinnenministerium will keine Fördermittel für Steuer bezahlen. Eine Olympianominierung wäre jedoch eine erste Annäherung, schließlich werden die Entsendekosten für die deutsche Olympiamannschaft aus Bundesmitteln finanziert.

Ob auch der Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union zur deutschen Delegation gehören wird, ist noch offen. Da wollten sich auch Mitarbeiter des DOSB noch nicht festlegen. Ein Eistänzer hatte Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben, die Dönsdorf jedoch zurückgewiesen hatte. Er sprach nur von einem flüchtigen Kuss. Im April soll vor einem Zivilgericht verhandelt werden.

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