Eiskunstlauf : Pluschenko gibt sich Platin

Der Skandal ist perfekt und der Vorgang in der Geschichte der Olympischen Spiele bisher einmalig: Jewgeni Pluschenko ist sauer über die Entscheidung der Preisrichter, die ihm trotz eines makellosen Vierfach-Sprungs nur auf Platz zwei im Eiskunstlaufen der Männer setzten.

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Moskau - Der Skandal ist perfekt und der Vorgang in der Geschichte der Olympischen Spiele bisher einmalig: Er ist sauer über die Entscheidung der Preisrichter, die ihn trotz eines makellosen Vierfachsprungs nur auf Platz zwei im Eiskunstlaufen der Männer setzten. Also korrigierte Jewgeni Pluschenko die Ungerechtigkeit postwendend auf seiner Homepage. Unter einem Foto von ihm ist dort neben seinen bisher erkämpften Medaillen – Silber in Salt Lake City und Gold in Turin – auch eine Auszeichnung in Platin zu sehen, mit der der Russe seine Leistung in Vancouver selbst honorierte. Jetzt hat sich auch der russische Eiskunstlaufverband eingeschaltet. Man werde, so Verbandspräsident Valentin Pissejew, den Vorfall gründlich untersuchen.

Für die Geschehnisse um Pluschenko gäbe es wohl keinen ungünstigeren Zeitpunkt. Denn Russland ist 2014 der Gastgeber der nächsten Winterspiele – Sanktionen des Internationalen Eiskunstlaufverbandes wären der Gau. Zwar ist die Platinmedaille mittlerweile von Pluschenkos Website verschwunden, aber der Zwist darum hält an. Dabei ist der Skandal um den Eiskunstläufer im Prinzip nur Ausdruck einer nationalen Unzufriedenheit. Ohnehin frustriert, dass die Wettkämpfe wegen des Zeitunterschieds am frühen Morgen übertragen werden, verursachen die ausbleibenden Medaillen zusätzlichen Ärger. Viele fordern nun sogar die Kürzung der staatlichen Förderung für die Athleten und den Rücktritt von Sportminister Witali Mutko und der Führung des Nationalen Olympischen Komitees. Auch Premier Wladimir Putin hat bereits mit Konsequenzen gedroht, sollte das Medaillentief anhalten. Nach 59 von 86 Entscheidungen lag Russland lediglich auf Platz acht der Länderwertung.

Funktionäre und Sportler schieben die Schuld auf das System. Im postkommunistischen Russland sei Wintersport lange kaum gefördert und von den Medien ignoriert worden. Zudem sei die Nachwuchsarbeit sträflich vernachlässigt worden, heißt es. Eine Medaillenflut wie zu Sowjetzeiten wird es bei den Russen jedenfalls so schnell nicht mehr geben. Elke Windisch

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