Sport : Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften: Teufelskreis auf dem Eis

Ernst Podeswa

Bei der ersten Titelentscheidung der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Vancouver im Paarlauf sind die Berliner Mariana Kautz/Norman Jeschke nur 16. geworden. Damit zeichnet sich das schwächste WM-Abschneiden aller Zeiten für das Aufgebot der Deutschen Eislauf-Union (DEU) ab. Lediglich die Berliner Eistänzer Kati Winkler und Renè Lohse haben in der Nacht zum Sonnabend die Chance auf einen Rang unter den zehn Weltbesten.

Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Situation in der DEU, wenn ausgerechnet die international am besten positionierten Vertreter ihre Unzufriedenheit vor der WM öffentlich machten. "Wir schaffen das nicht mehr, wir werden ständig allein gelassen", hatte Lohse gesagt. Auf einen Brief um Unterstützung bei den Kosten (insgesamt 30 000 Mark) für die neuen Kostüme hatte das von der Bundeswehr geförderte Duo von der DEU-Präsidentin Angela Siedenberg keine Antwort erhalten.

War das nur ein "Kommunikationsproblem" oder ist fehlende Unterstützung ein generelles Manko im Verband? "Ich meine, die DEU leistet sich da Versäumnisse. Ähnliche negative Erfahrungen haben auch Stefan Lindemann, Andrejs Vlascenko und ich gemacht", sagt Mirko Müller, DEU-Aktivensprecher und mit der früheren Partnerin Peggy Schwarz als WM-Dritter in der Weltspitze. Mit Sarah Jentges versucht der 26-jährige Berliner nun einen Neuanfang. Wenn alles optimal läuft, möchte der Olympianeunte von 1998 bei den Spielen 2002 in Salt Lake City starten. Müller hat wie Winkler/Lohse in der Vergangenheit vergeblich um Zuschüsse für Kostüme nachgesucht. Er bekommt keine Sporthilfe. Die wird von der DEU mit dem Argument in die Nachwuchsförderung umgeleitet, er sei ja bei der Bundeswehr gut versorgt. Er muss dennoch monatlich 250 Mark Trainer-Eigenanteil an die DEU überweisen und hat noch nie Prämien WM-Platzierungen gesehen. Forderungen würden mit dem Verweis auf Preisgelder bei Schaulaufen abgeblockt. Doch da werden die Deutschen von der Veranstaltungs-GmbH und DEU-Tochter Okem schlechter honoriert als ausländische Starter.

"Wenn wir uns beschweren, dann kommt der Hinweis auf geringer werdende Finanzen aus dem staatlichen Födertopf wegen der schwächeren Ergebnisse", sagt Müller. Die DEU setzte voraus, dass die Aktiven "110 Prozent geben und eigene Finanzen beisteuern, damit die DEU in eine höhere Förderstufe kommt". Das sei ein Teufelskreis "auf dem Rücken der Sportler".

All das sei demotivierend. Eine Einschätzung, die Berlins Landestrainer Reinhard E. Ketterer auch für die Lage der Eiskunstlauf-Trainer gibt. Während eine Stunde bei qualifizierten Ausbildern in den USA etwa 80 Dollar (rund 170 Mark) koste, bekäme man in Deutschland 60 Mark. DEU-Spitzentrainer würden brutto auf 4000 bis 5000 Mark kommen. Zudem gibt es derzeit nur Ein-Jahres-Verträge. Ab 2002 soll das alte BRD-Modell der Trainer-Honorierung durch die Sportler oder deren Eltern auferstehen. "Der Job ist so unattraktiv geworden, dass seit 1988 kein Eiskunstlauf-Trainer die Sporthochschule Köln und seit 1990 die DHfK Leipzig verlassen hat." Ketterer fordert "Unterstützung für Sportler und Trainer bis zur Schmerzgrenze". Der leistungsorientierte Eiskunstlauf müsse für junge Leute attraktiv bleiben, "sonst werden wir in Zukunft immer weiter den Anschluss an die Spitze verlieren". Allerdings dürften die Finanzen nach dieser WM noch spärlicher fließen.

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