Eislauf-Union : Auf dem Glatteis

Frank Bachner über das Imageproblem der Deutschen Eislauf-Union.

Frank Bachner

Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) arbeitet sich mit bemerkenswerter Energie ihrem finanziellen Untergang entgegen. Bis zum Saisonende 2010 muss sie dem Weltmeister-Paar Szolkowy/Sawtschenko 250 000 Euro Sponsoreneinnahmen verschaffen. Schafft sie es nicht, wird gepfändet. Die Erfolgschancen der DEU waren schon immer gering, aber jetzt schwinden sie Richtung Nullpunkt. Trotz des grandiosen Weltmeister-Paares. Denn das Images der DEU ist längst am Boden angekommen. Nach dem Fall des Trainers Steuer ist jetzt auch noch der Fall des DEU-Sportdirektors hinzugekommen. Die Frage, ob dieser einen Eistänzer sexuell belästigt hat oder nicht, kann man sogar mal außer Acht lassen. Entscheidend ist, dass der hohe Funktionär nichts dabei findet, einen Athleten, den er bewerten muss, der also sportlich abhängig von ihm ist, in einem Hotelzimmer zu küssen. Und dieser „kurze Kuss“ ist für ihn, wie er in einer E-Mail schreibt, nicht mehr als eine „Lappalie“. Deutlicher kann einer nicht klar machen, dass er die scharfe Trennung zwischen Amt und Privatleben nicht verinnerlicht hat.

Die DEU kann nur bedingt etwas dafür, dass ausgerechnet ihr Top-Paar durch den Fall Steuer bisher nicht gerade als Sympathieträger aufgetreten ist. Aber es verschärft das Imageproblem nur. Inzwischen würde sich wohl selbst ein Olympiasieg von Szolkowy/Sawtschenko nicht mehr gut vermarkten lassen. Nur mit einer Nachricht könnte die DEU jetzt positiv auffallen: wenn der Sportdirektor zurücktreten würde.

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