Sport : Eisschnelllauf: Der letzte Schliff war diesmal der beste

Ernst Podeswa

Die Holländer werden auf dem Eis ihre Dominanz in diesem Winter fortsetzen, und Gunda Niemann-Stirnemann dürfte nur schwer als weltbeste Mehrkämpferin und Langstrecklerin zu verdrängen sein. So lautet das Fazit des ersten Weltcuptages der Eisschnellläufer gestern im Sportforum Hohenschönhausen. 700 Zuschauer erlebten, wie Sportlerinnen und Sportler aus 24 Ländern insgesamt sechsmal die Bahnrekorde unterboten. Die sind nun im Besitz der beiden Sieger: Rintje Ritsma aus Holland mit 1:48,61 Minuten über 1500 m (bisher 1:49,70 von Adne Soendral aus Norwegen) und Gunda Niemann-Stirnemann aus Erfurt die ihre eigene Bestmarke über 3000 m von 4:06,42 auf 4:03,73 Minuten verbesserte.

"Ich freue mich für Gunda. Das letzte Wochenende lief ein bisschen schlecht für sie. Heute kam sie nach schnellem Angang gut in eine technisch vorbildliche Laufhaltung und zeigte ein optimales Rennen", sagte Anni Friesinger aus Inzell, die in der Vorwoche als nationale Doppelmeisterin über 1000 m und 1500 m noch im Rampenlicht stand und gestern die überragende Vorstellung der elf Jahre älteren Erfurterin neidlos anerkannte. Niemann-Stirnemann war als Erste der Favoritinnen gemeinsam mit der drittplatzierten Holländerin Renate Groenewold (4:09,32) auf das 400-m-Rondell gegangen. "Die Marschtabelle war auf eine Endzeit von etwa 4:08 Minuten ausgerichtet. Als sie schneller war und immer schneller wurde, habe ich sie nicht gebremst, sondern laufen lassen", sagte Trainer Klaus Ebert, in dessen Männergruppe die 34-Jährige vor Saisonbeginn überraschend gewechselt war, hinterher schmunzelnd.

"Ich bin total platt über die Zeit. Damit konnte ich nach der Vorwoche und einem technischen Malheur in der Woche nicht rechnen". Und dann verriet die ehrgeizige Rekordweltmeisterin (17 Titel), dass sie sich beim Schärfen der Stahlschienen verschliffen hatte. Das haben die Fachleute der Berliner Eisschnelllauf-Forschungsgruppe mit dem früheren WM-Zweiten Andreas Ehrig so gut hinbekommen, dass die 32-fache Deutsche Titelträgerin so geschwind wie noch keine Athletin vor ihr um die Bahn kreiste. "Sie war bei der Zwischenzeit über 1500 m fast noch schneller als in der Vorwoche im Meisterschaftsrennen", sagte DESG-Sportdirektor Günter Schumacher. Wäre die Erfurterin gestern auf der Hochgebirgsbahn von Calgary, dem Rekordtempel der Eisflitzer, in Aktion gewesen, dann hätte sie ihren Weltrekord von 4:00,51 Minuten laut einiger Fachleute stark gefährden können.

Während die 23-jährige Friesinger, die mit 4:08,45 im letzten Paar laufend Zweite wurde, "ein bissel geschockt" über die Vorgabe war, kam die 28-jährige Berlinerin Claudia Pechstein nach leichter Erkältung in der Woche überhaupt nicht aus den Strümpfen. Mit 4:12,46 wurde sie mit großem Abstand lediglich Fünfte.

Heute (Beginn 13 Uhr) dürfte über 1500 m ein spannendes Generationenduell zwischen Niemann-Stirnemann und der aufstrebenden Anni Friesinger geben. Natürlich wackelt da wiederum der erst vor sieben Tage alte Bahnrekord der Inzellerin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben