Sport : Eisschnelllauf: Ein neuer Tempel auf 4330 Fuß

Egon Boesten

Ein weggebrochener Betonfußboden, ein eingestürztes Hallendach oder die bange Frage, ob die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft der Eisschnelläufer als vorolympischer Test am kommenden Wochenende überhaupt stattfinden kann: All das ist Schnee von gestern. Am morgigen Freitag beginnt in der Olympiastadt des Jahres 2002 die Jagd auf die Weltrekorde, die bislang fast ausschließlich der Bahn im kanadischen Calgary vorbehalten waren. Auch die von den beiden deutschen Eisschnellläuferinnen Claudia Pechstein (Berlin/3000 m) und Anni Friesinger (Inzell/1500 m) gerade beim Weltcup-Finale in der Olympiastadt von 1988 aufgestellten Bestmarken drohen ein Opfer des Eises von Salt Lake City zu werden.

Die dünnere Luft des auf knapp über 1000 Meter hoch gelegenen Calgary hatte bislang dafür gesorgt, dass andere überdachte Eisschnelllaufbahnen wie Berlin-Hohenschönhausen, Heerenveen oder Nagano im Wettstreit um die besten Zeiten kaum mithalten konnten. Calgarys Eis ist das schnellste der Welt, sagte man bis vor kurzem.

Die ersten Eindrücke aber vermitteln: Salt Lake City kann gleichziehen. Für 120 Millionen Mark haben die Olympiaplaner eine Eishalle auf 1300 Meter Höhe gebaut, auf dem Gelände der Kearns School, wo bislang nur eine Freiluftbahn existierte. Nick Thomez, selbst für die USA dreimal bei Olympia als Eisschnellläufer aktiv, und verantwortlicher Projektmanager Speedskating, versprach schon vor dem ersten Startschuss: "Das Eis wird gut und schnell sein, vor allem wegen der Höhe, auf der wir liegen. 4330 Fuß, das sind 1320 Meter."

Eine Unsicherheit könnte die Veränderung des Luftdrucks durch Publikum bedeuten. Die Halle fasst 6500 Zuschauer. Luft und Eis könnten unkontrollierbar aufgewärmt werden. "Das ist das Einzige, was neuen Bestzeiten am Wochenende im Weg stehen könnte", sagt die Amerikanerin Chris Witty, die ebenso wie Pechstein und Friesinger beim Weltcup-Finale mit einem Weltrekord über 1000 m glänzte. Cathriona LeMay-Doan hofft, ihren 500-m-Weltrekord von Calgary noch mal nach unten drücken zu können: "Das Eis soll griffig und hart sein, haben wir gehört", meinte die Kanadierin.

Erste Testergebnisse der sonst eher hinterherlaufenden US-Amerikaner lassen für die zehn Wettbewerbe der Einzelstrecken-WM einiges erwarten. Joey Cheek sprintete die 500 Meter in 35,73 Sekunden; Kip Carpenter blieb über 1000 Meter unter der magischen Grenze von 1:10 Minuten (1:09,9). Und so verkündete Marc Normann, Manager der Bahn, nach den Resultaten seiner Landsleute: "Das Eis wird superschnell."

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