Eisschnelllauf-EM : Claudia Pechstein: Opfer ihres eigenen Erfolgs

Bei der Europameisterschaft der Mehrkämpfer in Budapest überrascht Claudia Pechstein mit starken Leistungen. Doch darüber kann sich nicht jeder freuen.

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Claudia Pechstein liegt bei der Mehrkampf-EM in Budapest vor dem letzten Wettkampftag auf dem vierten Platz.
Claudia Pechstein liegt bei der Mehrkampf-EM in Budapest vor dem letzten Wettkampftag auf dem vierten Platz.Foto: AFP

Selbstverständlich gibt es auch Menschen, die sich ehrlich freuen über Claudia Pechsteins Erfolge. Helge Jasch zum Beispiel, Teamleiter der deutschen Eisschnellläufer, oder Markus Eicher, der Chef-Bundestrainer. Pechstein ist 39 Jahre alt, aber bei der Mehrkampf-EM in Budapest überzeugte sie erneut und kann sogar eine Medaille holen. Die deutschen Trainer hatten schon einiges von ihr erwartet, aber so starke Leistungen wie bisher in dieser Saison, die hatten sie nicht auf ihrer Rechnung.

Es gibt aber auch Menschen, die müssen sich freuen, das ist ihre Pflicht. Die Funktionäre der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) zum Beispiel. In Wirklichkeit wird für sie jeder starke Auftritt der fünfmaligen Olympiasiegerin zu einem größeren Problem. Schließlich will Pechstein die DESG unverändert auf Schadensersatz „in astronomischer Höhe verklagen“, Reaktion auf ihre umstrittene Sperre als Dopingsünderin. Auch der internationale Gerichtshof Cas, der internationale Verband, alles ihre Feindbilder.

Mit jedem guten Ergebnis steigt das Selbstbewusstsein, mit dem Pechstein um Wiedergutmachung kämpfen wird. Längst gibt es genügend Indizien, dass sie zu Unrecht verurteilt wurde, aber gleichzeitig droht auch Pechstein zum Opfer ihres eigenen Erfolgs zu werden. In ihrem Kampf arbeitet sie schon lange mit Mitteln, die sie Sympathien gekostet haben. Ein Lebensgefährte, der einer Sportpolitikerin handfest drohte, eine unterirdische Pressekonferenz mit Sportlern, die ungelenk Solidarität mit Pechstein übten, eine Biografie, in der sie nicht bloß ihren Fall beschrieb, sondern auch verkündete, sie hätte ihrer Konkurrentin Stephanie Beckert gerne einen Faustschlag versetzt. Nun läuft Pechstein Gefahr, noch mehr zu überziehen. Ihr ist das vermutlich egal. Diversen Funktionären nicht. Die haben noch ein weiteres Problem: Pechstein will bis 2014 laufen.

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