Sport : Eisschnelllauf-EM: Sechs Sekunden reichen nicht

Eiskönigin Gunda Niemann-Stirnemann hat mit unbändigem Kampfgeist und zwei inoffiziellen Freiluft-Weltrekorden ihre fünf Jahre dauernde Titelabstinenz bei Eisschnelllauf-Europameisterschaften beendet. In Baselga di Pine/Italien war sie gestern zum Abschluss der Titelkämpfe in 7:05,67 Minuten wiederum Schnellste auf der 5000-m-Distanz und verdrängte die seit dem Auftakt führende Claudia Pechstein (Berlin) noch auf Platz zwei. Für Gunda Niemann (Erfurt) war es bereits der achte kontinentale Titelgewinn seit 1989. Die 34-jährige Thüringerin profitierte nach einem verkorksten Auftakt über 500 m (41,68 Sekunden) auch vom Sturz der mitfavorisierten Anni Friesingers (Inzell) am Freitag, der die Titelverteidigerin aus dem Wettbewerb warf. Mit einer Stützkrause für Hals und Nacken hatte Friesinger danach die Wettkämpfe am Fernseher verfolgen müssen und hofft nun, bei der Sprint-WM am kommenden Wochenende in ihrer Heimat wieder dabei sein zu können. "Es ist schon ein großer Mist, dass ich nicht laufen konnte, zumal ich so gut in Form war. Aber ich muss froh sein, dass nichts Schlimmeres passiert ist", meinte die Inzellerin.

Im direkten Duell mit Mehrkampf-Weltmeisterin Claudia Pechstein spielte Weltrekordlerin Gunda Niemann am Sonntag ihre Trumpfkarte aus und machte die 6,09 Sekunden Rückstand auf die Erzrivalin mehr als wett. "Leider hat es nicht geklappt, über 500 m mal einen gelungenen Auftakt hinzulegen, aber ich bin glücklich, auf den langen Strecken den Spieß noch umgedreht zu haben", strahlte Gunda Niemann, nachdem sie über 5000 m ihre Inzeller Freiluft- Bestmarke um rund sechs Sekunden drücken konnte. Offizielle Weltrekorde werden seit Jahren nur noch in Hallen gelaufen.

Claudia Pechstein brach nach dem Prestigeduell erschöpft zusammen, freute sich schließlich trotz des verpassten zweiten EM-Titels nach 1998 auch über Silber, obwohl sie zuvor überzeugt war, den Vorsprung über die Ziellinie retten zu können. Für den einzigen Lichtblick im deutschen Herren-Trio sorgte Anni Friesingers 20-jähriger Bruder Jan, der sich bei seinem EM-Debüt überraschend auf Platz zehn behauptete. Erst dahinter landeten Christian Breuer (Grefrath) und Frank Dittrich (Chemnitz). Der Russe Dmitri Schepel konnte mit seinem Titelerfolg eine seit 1992 währende Siegesserie der Niederländer durchbrechen.

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