Eisschnelllauf : Friesinger fährt an Medaillen vorbei

Anni Friesinger ist bei den Winterspielen in Turin über 1500 Meter auf Platz vier gefahren; es siegte ihre Erzrivalin Cindy Klassen.

Turin - Der Geist war willig, aber der Körper versagte den Dienst: Anni Friesinger hat am Mittwoch über 1500 Meter einen Einbruch erlitten und das sehnlichst erhoffte Edelmetall bei den Olympischen Winterspielen verpasst. Im direkten Duell musste die 29- jährige Inzellerin ihre Erz-Rivalin Cindy Klassen aus Kanada auf der Zielgeraden ziehen lassen und belegte als Mitfavoritin nur den enttäuschenden vierten Platz.

Weltrekordlerin Cindy Klassen erfüllte sich endlich den Traum vom Olympia-Gold, nachdem sie zuvor in Turin bereits zwei Mal Silber im Team und über 1000 Meter sowie Bronze über 3000 Meter gewonnen hatte. Die bibeltreue Christin setzte sich in 1:55,27 Minuten vor ihrer überraschend starken Landsfrau Kristina Groves durch. Die 29-Jährige aus Ottawa, die nur im Vorjahr ein Weltcup-Rennen über 3000 Meter gewinnen konnte, legte mit Bahnrekord von 1:56,74 Minuten eine Zeit vor, die nur Klassen toppen konnte. Bronze wurde Anni Friesinger (1:57,31) im letzten Paar von Ireen Wüst (Niederlande/1:56,90) entrissen. 7000 Fans feierten die strahlende Siegerin aus Kanada, als sie mit der kandischen Fahne die Ehrenrunde lief.

«Es ist aber keine Drama - das Leben geht weiter. Ich hatte doch insgesamt eine Super-Saison», versuchte sich Anni Friesinger zu trösten. Nach dem goldenen Team-Rennen und der Wimpernschlag- Entscheidung über 1000 Meter hatte sie in den zurückliegenden Tagen immer wieder über Husten, eine «verklebte» Muskulatur und schwere Beine geklagt. «Ich fühle mich müde, bin ganz schön platt», gestand sie. Deshalb musste sie ihre Vorbereitung umstellen und die Belastungen im Training reduzieren.

Noch vor vier Jahren hatte Friesinger nach zwei Rennen ohne Medaille in Salt Lake City gerade auf den 1500 Metern ihre Trumpfkarte ausspielen können. «Natürlich hatte ich wieder mit einer Medaille geliebäugelt», gab sie zu. Neben ihrem Erfolg 2002 hatte es über 1500 Meter zuvor durch Karin Enke (Dresden/1984) und Jacqueline Börner (Berlin/1992) weitere Olympia-Erfolge für Deutschland gegeben.

Team-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt) hielt sich als Zehnte in 1:59,74 Minuten achtbar. Lucille Opitz (Berlin), die für Claudia Pechstein nominiert worden war, hatte als 30. (2:02,75) mit dem Ausgang des Rennens erwartungsgemäß nicht zu tun. (tso/dpa)

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