Eisschnelllauf : Friesinger sprintet in die Annalen

Anni Friesinger hat sich erstmals zur Sprint-Königin gekrönt. Mit ihrem 13. WM-Gold ist sie die erste Frau, die bei allen vier Großereignissen der Eisschnellläufer eine Goldmedaille erkämpfen konnte.

Hamar - Sie riss die Arme in die Luft, klatschte ihren Coach Gianni Romme ab und ließ sich von den Fans feiern: Anni Friesinger hat sich in Hamar erstmals den Titel bei Sprint-Weltmeisterschaften gesichert und damit das 70. WM-Gold für den deutschen Eisschnelllauf erkämpft. Ihr insgesamt 13. WM-Erfolg geht als ganz besonderer in die Annalen ein, denn als erste Eisschnellläuferin hat die 30-jährige Inzellerin damit bei allen vier Höhepunkten ihrer Sportart gewonnen. Nach zwei Olympiasiegen, drei Allround-WM-Titeln und neun Mal Gold auf Einzelstrecken stieß sie im "Wikingerschiff" mit 151,935 Punkten in die Phalanx der Sprinter vor.

"Das war ein Super-Wochenende. Ein Traum. Jetzt wird kräfitg gefeiert", meinte sie ausgelassen jubelnd, nachdem sie in 1:15,13 Minuten auch die zweiten 1000 m gewonnen hatte. Damit ist Friesinger nach Sylvia Burka (Kanada/76/77), Natalja Petrussewa (UdSSR/80-82) und Karin Enke (Dresden/80-87) die vierte Frau, der das große Eis-Double aus Allround- und Sprint-WM gelang. Bei der Mehrkampf-WM im Februar könnte ihr in Heerenveen nun sogar ein weiterer Coup gelingen, denn außer Karin Enke hat bislang keine Eisschnellläuferin das Doppel im selben Jahr geschafft. "Statistiken sind nichts für mich", wehrte sie jedoch alle diesbezüglichen Spekulationen ab.

"Ich brauche diesen Bammel"

Nachdem sie tags zuvor mit Saisonbestzeiten über 500 m (38,42 Sekunden) und 1000 m (1:15,12 Minuten) die Grundlage für den Triumph geschaffen, machte Friesinger trotz aller Nervosität ("Ich brauche diesen Bammel") am Sonntag den Sack zu und erkämpfte genau zehn Jahre nach Franziska Schenk (Erfurt) den zweiten Sprint-Titel für Deutschland in der Olympiahalle von 1994. Über 500 m lief sie in 38,39 Sekunden erneut Saisonbestzeit (5.), auf der doppelten Distanz blieb sie auch im sechsten Saisonrennen unbezwungen und sicherte sich auch die 12.500 Dollar Titel-Prämie. Für Ireen Wüst (Niederlande) blieb mit klarem Rückstand von mehr als einem Punkt Silber, WM-Bronze ging an Cindy Klassen (Kanada).

Dabei hatte der Morgen mit einer Schrecksekunde begonnen, da beim Training der Kufenschliff beschädigt worden war und Friesinger Hand anlegen musste, um das Material wieder auf Vordermann zu bringen. Erlösung machte sich dann im Team breit, als der Hoffnungsträgerin der erhoffte Durchmarsch gelungen war. "Wahnsinn. Das war phänomenal", jubelte Damen-Bundestrainer Markus Eicher.

Für die niederländische Eis-Ikone Gianni Romme war es der erste große Erfolg als Coach. "Es ist eine Freude, mit solch einer motivierten Athletin zu arbeiten. Jetzt ist Anni endgültig eine der ganz Großen", sagte der mit neun Mal WM-Gold erfolgreichste männliche Eisschnellläufer. "Das war etwas ganz Besonderes. Und dies in einer Zeit, in der Spezialisierung groß geschrieben wird", würdigte auch die Thüringerin Gunda Niemann-Stirnemann, die mit 19 WM-Titeln als einzige noch erfolgreicher ist als Friesinger.

Pech für Jenny Wolf

Mit etwas Distanz beobachtete Jenny Wolf die Jubel-Szenarien. Die Top-Sprinterin war mit Bahnrekord von 37,88 Sekunden über 500 m glänzend gestartet und hatte auch am Sonntag die Kurzstrecke gewonnen (38,07). Doch über 1000 m kollidierte die Berlinerin auf dem Weg zu einer guten Zeit mit der Lichtschranke und musste vorzeitig alle Medaillen-Träume begraben.

Trotz Steigerungsraten konnten Samuel Schwarz (Berlin/17.) und Jan Friesinger (Inzell/23.) im Konzert der Herren-Weltelite nicht mitstpielen. Den Titel sicherte sich auf der letzten Strecke der Südkoreaner Lee Kyou-Hyuk vor dem Finnen Pekka Koskela, der beide 500-m-Sprints gewonnen hatte. Olympiasieger Shani Davis aus den USA kam mit Bahnrekord von 1:08,38 über 1000 m noch auf Platz drei. (Von Frank Thomas, dpa)

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