Sport : Eisschnelllauf: Grand mit Vieren

"Wir haben jetzt bei den Damen einen Grand mit Vieren", jubelte Günter Schumacher bereits vor einer Woche in Berlin. Da hatte Anna Christina Friesinger, von allen nur Anni genannt, im Sportforum mit ihrem Bahnrekord und Weltcuperfolg über 1500 m bewiesen, dass sie nun definitiv in die absolute Weltelite der Eisschnellläuferinnen vorgerückt ist. Darin tummeln sich bereits seit einiger Zeit die Rekord-Weltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann (Erfurt), die zweifache Olympiasiegerin Claudia Pechstein sowie die fünfmalige Sprint-Weltmeisterin Monique Garbrecht (beide Berlin).

Der Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) Schumacher hat recht behalten. Die Inzellerin Anna Friesinger bewies gestern in der stimmungsvollsten Eisarena der Welt, in Heerenveen, dass ihr spektakulärer Saisoneinstieg kein Ausrutscher war. Mit dem 1500-m-Erfolg in der Thialf-Arena verbuchte die 23-Jährige den insgesamt dritten Weltcup-Einzelsieg ihrer Karriere. Mit 1:56,73 Minuten war der Schützling von Trainer Markus Eicher so schnell wie noch keine andere vor ihr hier und unterbot ihre persönliche Bestmarke um fünf Hundertstelsekunden. Auf den Plätzen landeten die Amerikanerin Jennifer Rodriguez und Gunda Niemann-Stirnemann (1:57,02/persönliche Bestzeit).

Über 5000 m hatte die 34-jährige Erfurterin tags zuvor ihren eigenen Weltrekord auf 6:55,34 Minuten verbessert und den 99. Weltcuperfolg gefeiert. Da war Anna Friesinger elf Sekunden zurück, aber mit Hausrekord, auf Rang drei gekommen.

Hatte jahrelang die Berlinerin Claudia Pechstein versucht, die frühere Leichtathletin Niemann-Stirnemann vom Thron der Königin auf dem Schnelllaufoval zu drängen, so schien deren Dominanz im Vorjahr fast schon vorbei. Pechstein wurde erstmals Mehrkampf-Weltmeisterin, Pechstein siegte bei den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften über 1500 m und 3000 m. Für die gesundheitlich gehandicapte Thüringerin blieb als Trostpflaster nur der Titel über 5000 m. Zuvor hatte ihr schon die kesse Friesinger bei den Mehrkampf-Europameisterschaften ein Schnippchen geschlagen.

Ist möglicherweise die Vorherrschaft von Gunda-Gnadenlos vorbei? Auf diese Frage antwortete Anna Friesinger bemerkenswert zurückhaltend: "Ich denke nicht. Gunda hat schon so unendlich viel gewonnen, sie wird ihren Rang mit noch größerem Ehrgeiz verteidigen. Aber ich glaube schon, dass nun nicht mehr nur die Frage Niemann-Stirnemann oder Pechstein steht. Die Siege werden sich auf mehr Läuferinnen verteilen, zu denen ich hoffentlich auch gehöre."

Auf der längsten Wettkampfstrecke der Männer, den 10 000 m, drückte der Holländer Gianni Romme gestern seinen eigenen Weltrekord auf 13:03,40 Minuten

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