Sport : Eisschnelllauf: Rekordjagd am Großen Salzsee

Egon Boesten

Ihr Name steht mehr als nur einmal in den Annalen der Eisschnelllauf-Geschichte: Weltmeisterin im Sprint war sie viermal. In Nagano gewann sie zwar kein olympisches Gold, dafür aber zwei Jahre später zweimal den WM-Titel über 500 Meter und 1000 Meter. Den Weltcup dieser Saison gewann sie sicher. Es geht um Monique Garbrecht. Bei den vorolympischen Wettbewerben in ihrem Sport in Salt Lake City, als Einzelstrecken-Weltmeisterschaft ausgetragen, musste die Berlinerin nur einmal mit Platz zwei Vorlieb nehmen. Über 1000 Meter sprintete sie in einem geradezu sensationellen Rennen in neuer Weltrekordzeit von 1:14,13 Minuten genau eine hundertsel Sekunde schneller über den Zielstrich als ihre Landsmännin Sabine Völker aus Erfurt.

Den ersten Paukenschlag setzte jedoch Anni Friesinger aus Inzell. Die klassische Allrounderin hat sich für diese Saison auch auf die Sprintstrecken gestürzt; mit großem Erfolg. Mit 1:14,75 Minuten ließ sie bis kurz vor Schluss immerhin so renommierte Gegner hinter sich wie die holländische Olympiasiegerin Marianne Timmer, die immer stärker werdende Amerikanerin Jennifer Rodriguez oder die in dieser Saison ganz besonders auftrumpfenden Japanerinnen Tonoike und Sanmiya.

Die Allroundweltmeisterin von Budapest rutschte allerdings auf die Plätze, als Cathriona LeMay-Doan, über 500 Meter vor Monique Garbrecht die schnellste Frau der Welt, abermals auf Weltrekordkurs lief. Überraschend für alle war, dass LeMay-Doan in ihrem Lauf noch von Sabine Völker überholt wurde.

"Ich habe meinen ganzen Frust von gestern in diesen Lauf gelegt", sagte danach eine strahlende Sabine Völker, die aus lauter Verärgerung über einen verpatzten zweiten 500-m-Lauf am Vortag über 1000 Meter einen neuen Weltrekord aufstellte. Doch der Jubel der Erfurterin dauerte nur 1:14,13 Minuten. So lange benötigte Monique Garbrecht für den Kilometer auf dem von Sprintern bevorzugten schnellen Eis von Salt Lake City.

"Daran habe ich vorher keine Sekunde mehr geglaubt." Garbrecht brachte danach nur mit Mühe erste Erklärungsversuche für ihr technisch nahezu perfektes 1000-Meter-Rennen über die Lippen. "Nach dem Weltrekord von Sabine habe ich nur noch Platz zwei oder drei für möglich gehalten." Das war nur wenige Minuten, nachdem sie überglücklich zuerst ihrem Trainer Joachim Franke, dann ihrem Mann, dem Eisschnellläufer Magnus Enfeldt, in die Arme gesunken war. Ein oder zwei Fehler hatte sie noch gesehen. Und sie weiß, dass bei Olympia im kommenden Jahr die Anforderungen ungleich höher sein werden, vor allem konditionell - ein Nachteil gegenüber den amerikanischen und holländischen Profis.

Den finanziellen Problemen, die ein Trainingslager für sie und ihre Trainingsgruppe mit Trainer Joachim Franke mit sich bringen, sieht Monique Garbrecht aber inzwischen gelassener entgegen: "Dafür haben wir ja einen Sponsor." Den setzte die alte und neue Weltrekordlerin und Weltmeisterin bei der internationalen Pressekonferenz im Utah Olympic Oval so richtig ins Licht. Auf die Frage des amerikanischen Fernsehens, was denn Vita Cola wohl für ein Getränk sei, meinte die Siegerin nur kurz: "Ein leckeres."

0 Kommentare

Neuester Kommentar