Eisschnelllauf : Rücktritt oder Olympia 2010

Claudia Pechsteins Karriere hängt von ihrem Abschneiden in dieser Eisschnelllaufsaison ab.

Benedikt Voigt
Pechstein
Claudia Pechstein -Foto: ddp

Berlin - Als wäre nichts gewesen, standen beide vor einigen Wochen noch einmal im Sportforum Hohenschönhausen auf dem Eis. Claudia Pechstein kurvte in Steigerungsläufen um das Oval, Joachim Franke bediente die Stoppuhr. Am Ende überprüft der Eisschnelllauftrainer auch noch ihre Belastungswerte und befand: „Alles in Ordnung.“ Dann verschwand er wieder in den Ruhestand.

Es war nur ein kurzer Ausflug in die Vergangenheit, in der Gegenwart existiert das Gespann Joachim Franke und Claudia Pechstein nicht mehr. Wenn die 35-jährige Berlinerin an diesem Wochenende beim Weltcup in Salt Lake City in die neue Eisschnelllaufsaison startet, hat sie erstmals seit 16 Jahren keine Vorbereitung mit dem erfolgreichsten Eislauftrainer der Welt genossen. Stattdessen trainierte sie seit Juni mit der norwegischen Männer-Mannschaft unter dem US-amerikanischen Trainer Peter Mueller in Oslo und Hamar. Offenbar mit Erfolg. Im Training blieb sie zuletzt in Salt Lake City in 4:00,79 Minuten nur 3,43 Sekunden über ihrem deutschen 3000-Meter-Rekord. „So schnell war sie zu Saisonbeginn noch nie“, sagt ihr Manager Ralf Grengel. Allerdings gilt die Eisschnelllaufbahn in Salt Lake City auch als besonders schnell. „Claudia Pechstein ist aufgeregt wie ein kleines Kind“, berichtet Grengel. Denn an der Saison 2007/08 hängt auch der Fortgang ihrer Karriere.

„Wenn ich auf meinen Hauptstrecken nur auf Platz zehn rumdümple, packe ich meine Sachen“, sagte Claudia Pechstein unlängst in einem Interview, „dann habe ich selber keinen Bock mehr.“ Ihr Manager bestätigt ihre Absicht aufzuhören, wenn das norwegische Experiment misslingt und sich ihre Zeiten über 3000 Meter und 5000 Meter nicht mehr verbessern. „Sie hat extreme Anstrengungen unternommen und wollte einen neuen Weg gehen“, sagt er. Zumal sich die Konkurrenz in den vergangenen Jahren auch weiterentwickelt hat. „Wenn sich das jetzt nicht auszahlt, wird sie aufhören“, erklärt Grengel. Laut ihrem Manager bezahlt Claudia Pechstein das Training in Norwegen aus eigenen Mitteln, die Deutsche Eisschnelllaufgemeinschaft unterstütze sie mit einem vierstelligen Betrag. In Norwegen trainierte sie unter anderem mit den Weltklasseläufern Eskil Ervik und Havard Bökko, als einzige Frau läuft Maren Haugli mit. „Claudia muss dort schnellere Rundenzeiten laufen“, sagt Grengel. In ihrer ehemaligen Berliner Trainingsgruppe, in der vor allem männliche Juniorenläufer standen, hat die fünfmalige Olympiasiegerin häufig das Tempo vorgegeben, in Norwegen ist das anders. „Wenn sie da im Training abreißen lässt, wartet niemand auf sie“, berichtet Grengel. Auch Anni Friesinger ist vor einem Jahr den Weg ins Ausland gegangen. Sie trainiert unter Gianni Romme in den Niederlanden, wegen einer Erkältung konnte die Sprintweltmeisterin aber in den vergangenen beiden Wochen kein Testrennen bestreiten. Der Weltcupauftakt dürfte für sie etwas zu früh kommen.

Claudia Pechstein aber ist bereit. „Die Ausgangsposition ist nicht schlecht“, sagt sie. Sollte sie in dieser Saison neue Erfolge feiern können, wird sie wohl ihren Einjahresvertrag mit der norwegischen Trainingsgruppe verlängern. „Und dann ist auch schon wieder die Hälfte bis zu den Olympischen Spielen herum“, sagt Grengel. Dann wäre es gut möglich, dass Claudia Pechstein auch bei den Spielen in Vancouver 2010 laufen wird. Auch das entscheidet sich ab diesem Wochenende. (mit dpa)

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