Sport : Eisschnelllauf: Triumph im Nebel

Detlef Dresslein

Es musste so kommen. Monique Garbrecht-Enfeldt wird zum dritten Mal hintereinander Eisschnelllauf-Sprintweltmeisterin. Und das an dem Ort, wo sie vor zehn Jahren zum allerersten Mal in ihrer Karriere den globalen Titel gewann. Diese Geschichte ist einfach zu schön, als dass sie ungeschrieben bleiben könnte. Als Führende in der Gesamtwertung ging sie in den abschließenden 1000-Meter-Wettbewerb, immer wieder nervös gemacht durch die über Lautsprecher mehrfach illustrierte Möglichkeit dieses einmaligen Triumphes. Denn dreimal hintereinander Beste der Welt - das gab es noch nie.

Belastet habe sie das schon, räumte die Berlinerin hernach ein, und auch die Tatsache, dass vor heimischen Publikum der Druck besonders hoch sei. Aber dann lief sie furios. "Schnellste Durchgangszeit", ratterte es nach 600 Metern aus den Lautsprechern. Und als sie nach einem Kilometer ins Ziel kam, nach links blickte, wo in roten Lämpchen auf der Anzeigetafel die Zeit von 1:18,23 Minuten leuchtete, was dann fast eine Sekunde schneller war als die zweitbeste Zeit (1:19,23 von Eriko Sanmiya aus Japan), konnte sie schon längst jubeln. Es war ein Sieg und es war ein eindrucksvoller obendrein. "Ich hätte nie an so eine Steigerung geglaubt, nie gedacht, dass ich so klar gewinnen würde", keuchte sie glücklich in ein Mikrofon. Ihre direkte Gegnerin, Catriona Lemay-Doan, war weit zurückgeblieben und wurde am Ende nur Dritte. Und die Siegerin wusste stets, welchem Triumph sie entgegensauste: "Das Publikum hat getobt, also musste ich ganz gut unterwegs sein."

Es war der Schlusspunkt unter eine Veranstaltung, die aus deutscher Sicht eher nüchtern verlaufen war. Und wie auf vielen mäßig mitreißenden Partys waren diejenigen, die nicht da waren, im Mittelpunkt vieler Gespräche. Allen voran Anna Friesinger, die Einheimische. Was hätte das für ein Duell gegeben aus deutscher Sicht. Bayern gegen Preußen, Inzell gegen Berlin, Friesinger gegen Garbrecht. So musste sich zwangshalber alles Interesse auf Monique Garbrecht-Enfeldt fokussieren. Doch auch die ist als Thema bei aller sportlicher Leistung erschöpflich. Nicht so glamourös wie die Friesinger eben. Von den deutschen Männern war sowieso nichts zu erhoffen. Nach dem ersten Tag lag Michael Künzel als bester Deutscher auf Rang 18. Abhaken.

Anna Friesinger also war zumindest als Thema stets präsent. Ihr Trainer Markus Eicher hatte am Nachmittag des Sonnabends noch behauptet, sie sei zuhause geblieben vor dem Fernseher. Tatsächlich jedoch hatte sie sich in Zivil unter die holländischen Fans gemischtund als sich am späten Sonnabend die meisten längst zurückgezogen hatten, absolvierte sie noch ein Eistraining, um hernach noch Spekulationen zu zerbröseln, die sie schon als Profi beim holländischen Team DBS Frisia sahen. "Ich werde definitiv nicht für Geld irgendwo hingehen", versprach sie.

Friesinger hin oder her, wichtig war, was sich auf dem Eis tat. Und dort tummelte sich ja nur Monique Garbrecht-Enfeldt erfolgreich. Trotz schwieriger Bedingungen. Am Sonntag hatte sich eine Nebelbank über dem Eisstadion breitgemacht. Zudem schneite es leicht, was das Eis langsamer machte. Der 500-Meter-Lauf war eine Fortsetzung des am Vortag eingeläuteten Dreikampfs um den Weltmeistertitel. Trotz eines Fehlstarts lief die Berlinerin nach 39,20 Sekunden über die Ziellinie, als Zweite. Besser war nur die Gesamtdritte Catriona Lemay-Doan (39,02), die Japanerin Eriko Sanmiya wurde Dritte (39,42). Der Gesamtstand nach drei von vier Bewerben zeigte Erfreuliches: Monique Garbrecht-Enfeldt lag - reichlich knapp allerdings - vor Sanmiya und Lemay-Doan. Ihr Trainer Joachim Franke blieb trotz des nervenaufreibenden Dreikampfs ruhig: "Wenn man sich immer in der Spitze bewegt, dann gibt das Selbstvertrauen. Und sie ist läuferisch und psychisch sehr gut vorbereitet."

Für Monique Garbrecht-Enfeldt ist Franke mehr als nur ein Trainingsanleiter: "Er kennt mich, er strahlt Ruhe aus, drückt mich vor dem Wettkampf noch mal. Er hat das ganz gut im Griff, mich nicht noch nervöser zu machen." Es machte sich eindrucksvoll bezahlt in den Tagen von Inzell.

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