Eisschnelllauf-WM : Anni Friesinger verzichtet

Das definitive Aus kam überraschend, der Verband reagierte mit Unverständnis: Anni Friesinger macht beim Team-Rennen der Einzelstrecken-WM in Salt Lake City nicht mit.

Berlin - "Die Anspannungen und der Reisestress der zurückliegenden Wochen sind deutlich spürbar, und ich will meinen Körper vor allem in der Höhe nicht überbelasten wie in den vergangenen Jahren. Somit verzichte ich schweren Herzens auf das Teamrennen", erklärte Friesinger auf ihrer Homepage. Die Führung der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) zeigte dafür kein Verständnis. "Es wäre falsch, die Sache jetzt über das Knie zu brechen. Das hat sie nicht nötig. Ich erwarte von ihr weiter ein Bekenntnis zu dem Team, mit dem sie so erfolgreich war", sagte Präsident Gerd Heinze.

Er appellierte schon beim Weltcup in Erfurt an Friesingers Nationalgefühl. "Ich habe Verständnis, dass sie sich auf ihre Strecken konzentriert, aber sie darf das Team nicht im Stich lassen. Ihre Erklärung halte ich für voreilig." Sportdirektor Günter Schumacher meinte: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Wir werden bei der WM nach der besten Lösung suchen."

"Ich bin ein Mensch und keine Maschine"

Anni Friesinger reagierte auf ihrer Homepage auf den Druck des Verbandes. "Ich bin ein Mensch und keine Maschine, die auf Knopfdruck funktioniert... Ich habe auch nur einen Körper und meine Gesundheit ist mein Kapital! Das sollte auch im Sinne des Verbandes sein." Trotzdem haben auch ihre Gefährtinnen Claudia Pechstein (Berlin) und Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt) die Hoffnung auf einen Start der derzeit stärksten deutschen Läuferin nicht aufgegeben.

Noch tags zuvor hatte Damen-Cheftrainer Markus Eicher nach Gesprächen mit der Inzellerin und deren Coach Gianni Romme festgestellt, dass ein Kompromiss erzielt worden sei und die Entscheidung über die Team-Besetzung erst in Amerika fallen werde. "Gestern schien alles okay. Schade. Mehr möchte ich dazu jetzt nicht sagen, wir müssen uns auf die Arbeit konzentrieren", meinte Eicher nach dem auch für ihn überraschenden Verzicht von Freisinger.

Steht Friesinger in der Pflicht?

Die Bayerin hatte sich in dieser Saison auf die Sprintdistanzen und die 1500 Meter konzentriert. Dieses Konzept war mit dem Gewinn der Sprint-WM in Hamar voll aufgegangen. Schon dort hatte sie Ende Januar erstmals vom Verzicht auf das Team-Rennen in Salt Lake, das einen Tag vor den für sie so wichtigen 1000 Metern stattfindet, gesprochen. Eicher hatte diese Gründe akzeptiert, aber nie die Hoffnung aufgegeben, Friesinger noch umstimmen zu können.

Pikant wird der Konflikt mit der DESG durch die Tatsache, dass die Inzellerin vor der Saison gedroht hatte, auf Team-Rennen zu verzichten - falls ihr neuer Coach Gianni Romme nicht den Status eines Honorartrainers erhalte. Diese Forderung hatte die DESG vor dem zweiten Weltcup-Rennen in November erfüllt und erwartet nun von Friesinger eine Gegenleistung. Bei den bisher wichtigsten Verfolgungs-Rennen seit Einführung der neuen Disziplin hatten die deutschen Damen mit Anni Friesinger 2005 bei der WM in Inzell und 2006 bei Olympia in Turin zwei Siege davongetragen. (Von Frank Thomas, dpa)

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