Eisschnelllauf : Zwist zwischen Anni Friesinger und Verband

Das Tauziehen um Judith Hesse geht weiter. Sie möchte gern ins Team von Anni Friesinger, die Eisschnelllauf-Gemeinschaft will sie jedoch nicht gehen lassen. Jetzt droht sie mit ihrem Rücktritt.

Frank Thomas[dpa]

BerlinZwei Tage nach dem Traum-Abschneiden bei den Weltmeisterschaften in Nagano ist ein offener Konflikt zwischen Anni Friesinger und der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) über den Wechsel von Judith Hesse in das Privatteam der Doppel-Weltmeisterin ausgebrochen. Da DESG-Präsident Gerd Heinze den Wechsel unbedingt verhindern möchte, kündigte die Erfurter Sprinterin bei einer anhaltenden Verweigerungshaltung des Verbandes ihren Rücktritt an. "Ich will in Annis Team und bei Gianni Romme trainieren. Eine Alternative gibt es nicht. Ansonsten war Nagano mein letztes Rennen", erklärte die Thüringerin unmissverständlich.

Das kann Heinze nicht nachvollziehen. "Der Verband ist doch keine Jonglier-Masse. Wir können nicht Nachschub für private Teams liefern, wenn dort ein Verschleiß eintritt", sagte der Präsident. "Unzufriedene Athleten sollten die Fehler zunächst mal bei sich selbst suchen", sagte er an die Adresse von Judith Hesse, die über 500 Meter mit WM-Platz elf die Top Ten verfehlt hatte. Heinze: "Mir scheint, hier geht es nur um ein bisschen Spaß und Unterhaltung in Friesingers Trainingsarbeit. Judith kann Anni doch nicht wirklich voran bringen. Das ist doch Quatsch. Zudem wäre der Wechsel ein Affront gegen die Bundespolizei und alle anderen, die sich für die
Förderung der Athleten einsetzen."

Friesinger: "Ich brauche die Mädchen."

Diese Haltung empört Judith Hesse. "Das hieße ja, der Verband nimmt billigend in Kauf, dass Athleten ihre Karriere beenden müssen, nur weil sie zu einem anderen Trainer wollen. Ich möchte weiter das Beste für Erfurt sowie die DESG bringen und in Vancouver eine Medaille. Aber mit meinem Umfeld ist das nicht möglich", sagte Hesse, die zuletzt nach den Plänen von Bundescoach Markus Eicher trainierte.

Anni Friesinger wollte die ablehnende Haltung des Präsidenten nicht kommentieren. "Aber ich möchte unbedingt, dass Judith Hesse und Pamela Zoellner in mein Team kommen. Ich brauche die Mädchen", sagte sie. Schon zuvor hatte sie erklärt, dass sie oft genug für den Verband die Kohlen aus dem Feuer geholt habe und daher auch Gegenleistungen erwarte, um ihr Umfeld abzusichern. Aus ihrem bisherigen Team ist nur noch der Erfurter Sprinter Anton Hahn übrig geblieben, nachdem ihre Schwester Agnes ihre Karriere beendet hatte und sich in Nagano auch der Finne Risto Rosendahl von den Eisbahnen verabschiedete.

Für Heinze ist die Wechsel-Absicht der beiden Erfurterinnen nicht zu verstehen, weil sie in ihrem Heimatort optimale Rahmenbedingungen vorfänden. "Die wenigen, die wir noch haben, werden wir nicht zerhacken. Wir lassen uns nicht verrückt machen", meinte er. Hesse bekräftigte, dass sie diese Konfrontation nicht gewollt habe. "Ich will hier keine Strukturen kippen. Aber ich will das Optimale für mich. Und so wie bisher geht es nicht weiter." Ihren Job bei der Bundespolizei will sie nicht aufgeben. Hesse: "Anton Hahn ist auch bei der Bundespolizei, und dem hat man den Wechsel gestattet."

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