Sport : Eistänzer hoffen auf den WM-Bonus

Nur vier Tage nach seiner Knie-Operation hat Eistänzer René Lohse aus Berlin wieder mit dem gezielten Muskel-Aufbautraining für ein Comeback begonnen. Der 28-jährige Pechvogel, der mit seiner langjährigen Partnerin Kati Winkler zu den wenigen Hoffnungsträgern der Deutschen Eislauf-Union (DEU) zählt, hat die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City Mitte Februar noch längst nicht abgeschrieben. "Am Freitag oder spätestens am nächsten Montag werden die Fäden gezogen", sagt Lohse, der sich am 8. November beim Training einen doppelten Innenbandriss und Meniskusabriss im linken Knie zugezogen hatte.

"Dabei hatte ich noch Glück im Unglück, denn auch das hintere Kreuzband war beschädigt. Allerdings handelte es sich nur um einen Anriss. Bei einem Durchriss wären vier Monate Pause unumgänglich gewesen." Die beiden Berliner Ärzte Volker Laute und Detlef Rogemans, die nur wenige Stunden nach dem Unfall den Eingriff in der Clinica Vita am Hohenzollerndamm vornahmen, sind zuversichtlich, dass ihr Patient bei weiterem günstigen Heilungsverlauf in drei Wochen wieder ohne Stützen gehen und Ende Dezember mit einer Spezialmanschette sogar auf dem Eis stehen kann.

Allerdings wird die Zeit bis zu den Europameisterschaften in Lausanne (16. bis 20. Januar) äußerst knapp, wo laut NOK-Forderung ein Platz unter den besten Acht erreicht werden müsste, um sich das Olympia-Ticket zu sichern. "Ich hoffe, dass man uns auf Grund unserer Erfolge in der Vergangenheit auch dann nominiert, wenn wir in der Schweiz wegen unseres Trainingsrückstandes noch nicht antreten könnten", hofft Lohse. Immerhin belegte das Paar bei den letzten Weltmeisterschaften die Plätze sechs und sieben. Auch Berlins Landestrainer Reinhard Ketterer fordert eine Olympia-Nominierung, falls Winkler/Lohse nicht an der EM teilnehmen können: "Da müssen wir drauf drängen. Wenn da nichts passiert, werden wir von Berlin aus Druck machen."

Lohse wird sein Comeback in einer Reha-Klinik in Neuenhagen bei Berlin oder am Tegernsee vorbereitet. Seine Partnerin, die den Schock noch nicht ganz überwunden hat und zu ihren Eltern nach Berlin zurückgekehrt ist, will in der nächsten Woche zum Fithalten wieder nach Oberstdorf fahren. Dort leben und trainieren die beiden besten deutschen Eistänzer seit Jahren.

Auf Grund ihres neuen vom früheren Olympiasieger Christopher Dean zusammengestellten und von ihrem Standardtrainer Martin Skotnicky verfeinerten Programms hatten sich die beiden für den SC Berlin startenden Bundeswehr-Sportsoldaten beim Grand-Prix in Gelsenkirchen einen zweiten Platz ausgerechnet, der ihnen 18 000 Mark eingebracht hätte. Diese Summe fehlt ihnen sehr, da die Kostüme für die sechs verschiedenen Tänze und die Schaulauf-Kombination in diesem Winter fast so viel verschlungen und ein dickes Minus auf dem Konto hinterlassen haben.

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