Sport : Eistanz bis der Arzt kommt

Sven Goldmann

Turin 2006, das sind die Spiele der lauwarmen Minestrone und halb leeren Tribünen. Die Sportler klagen über schlechtes Essen und mangelnde Begeisterung, also das Gegenteil von dem, wofür Italien gemeinhin steht. In den zahlreichen olympischen Dörfern, in Lingotto, Sestriere oder Bardonecchia, komme keine olympische Stimmung auf. Die Eisschnellläufer etwa beschweren sich darüber, dass sie die Skifahrer nicht sehen und auch sonst nicht viel mitbekommen von den über halb Oberitalien verstreuten Spielen. Es funkt nicht zwischen Olympia und der Großstadt Turin, deren Einwohner sich mehr für das Training von Juventus interessieren als für das Finale im Rodel-Doppelsitzer.

Passend zur Gemütslage erreicht uns folgende Meldung: Die Eisschnellläuferin Jenny Wolf hat sich verletzt. Eine Kapsel-Bänderdehnung im linken Sprunggelenk behindert die Berlinerin so sehr, dass sie wahrscheinlich beim Weltcup-Finale in Heerenveen passen muss. Das ist im Falle der Jenny Wolf besonders ärgerlich, weil sie vielleicht ihren Vorsprung im Weltcup einbüßen wird. Der größte Erfolg ihrer Karriere geht womöglich drauf für die Teilnahme an dieser freudlosen Veranstaltung. Erlitten hat Frau Wolf die Verletzung beim … ähm … beim Tanzen. Auf einer Party in irgendeinem dieser olympischen Dörfer. Ganz so schlecht scheint die Stimmung also doch nicht zu sein, wenn die Jugend der Welt rauschende Feste feiert bis zum Kapselriss. Im konkreten Fall dient nicht mal der sportliche Erfolg als Erklärung. Die Weltcup-Führende Jenny Wolf ist in Turin auf Platz sechs gelaufen.

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