Eistanz : Zungenkuss vor Gericht

Die Güteverhandlung im Fall Dönsdorf/Rabe scheitert. Eistänzer Sascha Rabe bleibt bei dem Vorwurf, er sei von Udo Dönsdorf, dem Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union, sexuell belästigt worden.

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Sascha Rabe.
Sascha Rabe.Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Gestern gegen 9 Uhr traf Udo Dönsdorf in Berlin am Eingang des Landgerichts Am Tegeler Weg unverhofft auf Jörn Lucas. Der Eiskunstlauf-Preisrichter und frühere Rollkunstläufer Lucas wollte die Güteverhandlung im Fall Dönsdorf gegen Sascha Rabe verfolgen. Der frühere Eistänzer Rabe fordert Schmerzensgeld und Schadensersatz von dem Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU). Dönsdorf soll Rabe sexuell belästigt haben. Dönsdorf bestreitet das energisch. „Als Dönsdorf mich sah, ist ihm die Kinnlade runtergefallen“, sagte Lucas. Kein Wunder: Der 47-Jährige wirft Dönsdorf vor, der habe ihn vor fast 30 Jahren auch sexuell belästigt. Damals war Dönsdorf der Trainer von Lucas. Dönsdorf bestreitet auch diese Vorwürfe energisch.

45 Minuten später fiel Dönsdorf zwar nicht zum zweiten Mal die Kinnlade runter, aber er blickte doch einigermaßen verstört. Denn der Richter deutete sinngemäß an, dass der Sportdirektor nach derzeitiger Einschätzung der Sachlage einer Niederlage vor Gericht näher ist als der Abweisung der Klage. Von drei Punkten im betreffenden Paragrafen, die zu Schmerzensgeld führen können, sind „zwei Drittel unstrittig“, sagte der Richter. Sprich: Zwei Punkte sind seiner derzeitigen Auffassung nach erfüllt. „Und beim dritten ist es nicht aussichtslos, dass er auch erfüllt sein könnte.“

Eine gütliche Einigung wurde gestern allerdings nicht erzielt. Theoretisch hätte Dönsdorf die Angelegenheit beenden können, in dem er sich bereit erklärt, einen gewissen Betrag an Rabe zu bezahlen. Doch diese Möglichkeit lehnte sein Anwalt strikt ab. Seiner Auffassung nach, so muss man es interpretieren, ist Dönsdorf unschuldig. Dass es nachts in Dönsdorfs Hotelzimmer in Berlin zu einem Kuss gekommen ist, bestreitet er gar nicht. „Einen flüchtigen Zungenkuss“, hat sein Anwalt diese Intimität mal genannt. Aber bis heute betont Dönsdorf über seinen Anwalt, dass es ein Kuss in gegenseitigem Einvernehmen gewesen sei. Rabe dagegen erklärt, er sei bei einem gemütlichen Beisammensein im Rahmen eines Sichtungslehrgangs sexuell belästigt worden.

Das Verfahren wird nun am 27. November mit der Beweisaufnahme fortgesetzt.

Rabe wirkte enorm angespannt, als er gestern auf Dönsdorf traf. Der Lehramtsstudent lebt derzeit in Zürich, wo er ein Auslandssemester absolviert. Er zog allerdings auch in die Schweiz, um Abstand zu dem ganzen Vorgang zu gewinnen. Im vergangenen Jahr hatte er einen Selbstmordversuch unternommen, seinen Angaben nach eine Folge des nächtlichen Vorfalls mit Dönsdorf. Seine Karriere hat er inzwischen beendet.

Aber auch Dönsdorf wirkte gestern mühsam gefasst. Er beschränkt inzwischen den Kontakt zu den Kadersportlern der DEU aufs Nötigste.

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