Ekaterina Thanou : Spurt ins Ungewisse

Die griechische Skandalsprinterin Ekaterina Thanou ist für Peking nominiert. Das bedeutet aber nicht, dass sie auch starten darf

Friedhard Teuffel

BerlinOb sich Ekaterina Thanou in Peking schon ein Motorrad reserviert hat? Die griechische Sprinterin hatte Motorradfahren schon vor vier Jahren in Athen zur olympischen Disziplin machen wollen. Mit ihrem Sprintkollegen Kostas Kenteris war sie damit vor einer Dopingkontrolle geflüchtet, dann hatten die beiden einen Unfall vorgetäuscht, verletzte Athleten sollten doch von einem Test verschont werden. Auch vom Internationalen Olympischen Komitee, dem IOC, ließen sich Thanou und Kenteris nicht erwischen, sie gaben ihre Akkreditierung für die Spiele in Athen zurück. Das IOC konnte sie nicht verurteilen. Vielleicht hofft Thanou nun, dass das IOC den größten Skandal bei den Spielen 2004 schon vergessen hat. Sie hat sich für Peking qualifiziert und gesagt: „Ich werde laufen, solange es mir Spaß macht.“

Mit dieser Entscheidung läuft sie dem IOC nun jedoch in die Arme. Das Komitee hatte das Verfahren gegen Thanou und Kenteris vor vier Jahren keineswegs endgültig abgeschlossen. „Wir haben damals eine Klausel hineingeschrieben, dass wir das Verfahren wieder aufnehmen können, wenn Thanou und Kenteris noch einmal an Olympischen Spielen teilnehmen wollen“, sagt Thomas Bach, der Vizepräsident des IOC. Bach gehörte damals der zuständigen Disziplinarkommission des IOC an. Am 2. und 3. August will das IOC auf seiner Tagung die Angelegenheit Thanou wieder aufrollen.

Dem griechischen Leichtathletikverband war offenbar nichts anderes übrig geblieben, als 100-Meter-Sprinterin Thanou zu nominieren. Die 33 Jahre alte Olympiazweite von 2000 und Europameisterin von 2002 hatte am 14. Juli die Qualifikationsnorm erfüllt. 11,39 Sekunden schaffte sie, 11,42 Sekunden hatte der Verband gefordert. Ihre Sperre von zwei Jahren wegen der verpassten Dopingkontrolle hat sie längst abgesessen und bei den Hallen-Europameisterschaften 2007 ihr Comeback gegeben – mit einem sechsten Platz über 60 Meter.

Sollte das IOC Thanou das Startrecht verwehren, bliebe ihr noch ein Ausweg: Sie könnte den Internationalen Sportgerichtshof Cas anrufen. Der Cas richtet traditionell am Austragungsort der Olympischen Spiele ein Ad-hoc-Schiedsgericht ein, um schnelle Urteile etwa bei Dopingstreitigkeiten treffen zu können. Am Montag wird er seine Arbeit in Peking aufnehmen. Gut möglich, dass er sich auch mit Thanou beschäftigen muss, zumal ein Cas-Richter gestern sagte, es sei umstritten, ob das IOC den Fall noch einmal aufnehmen dürfe, ein vergleichbares Vorgehen sei ihm nicht bekannt. Sollten jedoch sowohl das IOC als auch der Cas Thanou nicht starten lassen, könnte sie wenigstens die Mietkosten für ein Motorrad sparen. Friedhard Teuffel

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