Sport : Eklat zum Box-Jubiläum

Neben dem Ring kommt es zur wilden Keilerei

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Hamburg - Die Fäuste flogen nicht nur im Ring. Ausgerechnet bei seiner 250. Profi-Veranstaltung musste Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl mit ansehen, wie direkt neben ihm brutal aufeinander eingeschlagen wurde und Blut floss. Es war bereits eine halbe Stunde nach Mitternacht, als sich Kohls als Zuschauer anwesender Promoter-Konkurrent Ahmet Öner vom Hamburger Arena-Boxstall und seine beiden Bodyguards eine wilde Keilerei mit einer Gruppe Ordnungshüter lieferten. Die in der Nähe sitzenden Zuschauer flüchteten panikartig von ihren Plätzen, während im Ring mit stoischer Gelassenheit die Frauen-WM zwischen Heidi Hartmann und der Polin Karolina Lukasik angesagt wurde. In einer Champagner-Loge am Ring, wo sich die Ehrengäste gerade noch in Sicherheit bringen konnten, prügelte ein Sicherheitsmann auf einen der Öner-Gefährten so stark ein, dass dieser von Sanitätern versorgt werden musste.

Kohl wollte die Szenen nicht kommentieren. „Ich muss erst rausfinden, was passiert ist“, sagte der Hamburger Geschäftsmann, der nur vier Meter von der Prügelei entfernt saß. Öner, dessen Reizschwelle sehr niedrig liegt und der vor einigen Jahren auch schon Kohl an den Kragen gegangen war, sprach von Neonazis, die ihn über den gesamten Abend hinweg provoziert hätten. Der Türke äußerte den Verdacht, die Gruppe sei vom Veranstalter auf ihn angesetzt worden.

Die Kämpfe im Ring liefen dagegen fair ab. Kohl hatte zum Jubiläum vier Welt- und Europameister in den Ring beordert; alle behielten ihre Titel. Einen weiteren eroberte Jürgen Brähmer: Der 28 Jahre alte Schweriner darf sich nach einem einstimmigen Punktsieg über den Argentinier Hector Javier Velazco Interkontinental-Meister der WBO im Supermittelgewicht nennen. Allerdings: WM-Form ließ der seit Jahren als größtes deutsches Box-Talent hofierte Mecklenburger nicht erkennen. Den knappen Erfolg über den Rivalen quittierten die Zuschauer mit Pfiffen und Buh-Rufen.

„Konditionell bin ich ziemlich fit, aber mit dem Boxen hat es nicht so geklappt“, gestand der Sieger, der in der sechsten Runde von einer Rechten des Argentiniers erstmals in seiner Profi-Karriere zu Boden gestreckt worden war. „Nach so einem Niederschlag aufzustehen und Gas zu geben, das möchte ich mal von einem Zweiten sehen“, sagte Brähmer und lobte sich selbst. Velazco, der zum dritten Mal in Deutschland gastierte und auch schon von Arthur Abraham (K.o.) und Felix Sturm (Punktniederlage) als Verlierer nach Hause geschickt worden war, zog ein Resümee: „Abraham ist der Beste. Der schlägt am härtesten.“

Der beste Kämpfer des Abends war im Vorprogramm versteckt worden. Sergej Dsinsiruk begeisterte in seinem WM-Duell mit dem bis dahin ungeschlagenen Brasilianer Carlos Nascimento mit ausgefeilter Technik, blitzartigen Attacken und einer enorm hohen Treffsicherheit. Der ungeschlagene Boxer aus der Ukraine gewann durch Technischen Knockout in der elften Runde. „Das war Boxen vom Feinsten“, schwärmte Trainer Michael Timm, dessen anschließende Sekundanz beim Kampf seines Schützlings Thomas Ulrich auf wenige Sekunden beschränkt blieb. Der Berliner Halbschwergewichtler knockte seinen Rivalen Leonardo Turchi aus Italien schon in der ersten Runde mit einem Kinntreffer aus. dpa

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