Sport : „Elefanten anschieben“

Eisbären-Trainer Pagé über seinen Frust nach dem K.o. im Eishockey-Halbfinale

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Herr Pagé, Ihr schnelles Verschwinden aus der Krefelder Rheinlandhalle hat für Aufregung gesorgt. Nach der Niederlage vom Sonntag flogen Sie sofort nach dem Spiel und schon vor der Mannschaft nach Berlin zurück. Wie denken Sie mit ein paar Tagen Abstand darüber?

Ich habe keine Schuldgefühle, ich wollte nur mich selbst schützen. Sonst hätte ich bestimmt etwas Falsches gesagt. Und dann war es auch noch so, dass eine Woche zuvor bei der Pressekonferenz in Krefeld alle meine Zitate falsch übersetzt wurden. Ich habe versucht, nach der 2:4Niederlage im zweiten Halbfinalspiel positive Dinge zu sagen. Dann aber hat so ein Sprecher in Krefeld mit seiner Übersetzung alles ins Negative umgedreht. Das wollte ich mir nicht noch einmal antun.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Sie hätten sich der Öffentlichkeit nicht gestellt und der Krefelder Mannschaft den obligatorischen Handschlag verweigert?

Zunächst einmal: Meinem Krefelder Trainerkollegen Butch Goring habe ich zum Erreichen des Finales gratuliert. Und ich habe doch kein Problem, mich der Öffentlichkeit zu stellen. Mein Verhältnis zu den Medien war in Berlin immer sehr gut. Es ist doch aber verständlich und menschlich, dass ich nach so einer Niederlage wie am Sonntag ein paar Tage brauche, um aus dem Loch herauszukommen. Wir haben so hart gearbeitet, haben einen Traum gehabt…

Nun war das letzte Saisonspiel in Krefeld tatsächlich keine schöne Vorstellung aus Ihrer Sicht. Schon nach einer halben Minute und dem ersten Gegentor war alles entschieden.

Ja, ich fühlte mich als Trainer wie ein Dompteur, der Elefanten anschieben muss. Wir waren im entscheidenden Augenblick einfach geistig nicht frisch.

Für die geistige Frische ist der Trainer zuständig.

Das ist richtig. Allerdings habe ich meine Mannschaft schon im Februar darauf hingewiesen, dass sie nicht in Play-off-Form ist. Das haben vielleicht manche Spieler anders gesehen. Das Resultat haben wir nun: Wir waren die beste Mannschaft in der Hauptrunde, aber nicht das beste Team in den Play-offs.

Auch dafür ist der Trainer verantwortlich.

Ich bestreite auch nicht, dass ich Fehler gemacht habe. Ich wollte zum Beispiel beim Spiel am Sonntag beim Stand von 0:2 unseren Torhüter auswechseln. Nicht etwa, weil Richard Shulmistra schlecht gewesen wäre, sondern weil ich mit der Einwechslung von Oliver Jonas einen Impuls setzten wollte. Doch dann kamen zwei Strafzeiten gegen uns, wir haben zwei weitere Gegentore kassiert, und alles war vorbei. Ich hatte den Zeitpunkt verpasst, einen Impuls zu geben.

Das Ausscheiden am Sonntag wirft einen Schatten auf eine sehr erfolgreiche Saison.

Für mich ist das Saisonende eine Enttäuschung, daran wird sich nichts ändern. Auf der anderen Seite haben wir am Sonntag in Krefeld nur ein Eishockeyspiel verloren. Es gibt Schlimmeres im Leben.

Das klingt nicht nach Resignation.

Nein, auf gar keinen Fall, Resignation gibt es bei mir nicht. Wir haben eine Vision bei den Eisbären und haben unseren Job noch nicht erledigt. Jetzt werden wir in der nächsten Saison versuchen, Deutscher Meister zu werden.

Das Gespräch führten Sven Goldmann und Claus Vetter.

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