Sport : Elegante Rückkehr

Isabell Werth tritt wieder mit starken Pferden auf

Jeannette Krauth[Aachen]

Der Wind lässt die Zeltstadt in Aachen krachen, der Regen hat das Fell des Pferdes dunkel und glänzend gemacht. Das widerliche Wetter beeindruckt den Hengst im Dressur-Viereck freilich nicht. Er trabt los, als ob seine Reiterin die Fäden einer Marionette in der Hand hielte, als ob sie bei jedem Tritt seine Beine noch ein Stück weiter hochziehen würde. So federnd ist jeder Tritt, so elegant streckt sich Polano, der Hengst. Isabell Werth belegt mit ihm beim Grand Prix am Freitag Platz vier. Das bedeutet die sichere Qualifikation für das Finale am Samstag.

Die Dressur-Prüfung beim CHIO Aachen war erst der zweite internationale Auftritt von Polano. Deshalb strahlt Isabell Werth nach seinem Auftritt. Sie hatte aber bereits am Morgen, im Stall, glücklich ausgesehen. Sie ist wieder da. Sie hat wieder Pferde, mit denen sie an der Weltspitze mitmischen kann. Polano ist gut, aber sie hat zwei noch bessere: Satchmo und Warum Nicht, der in Aachen in die Nationenpreis-Tour geht. Isabell Werth, die vierfache Olympiasiegerin, greift wieder an. Mit einem von beiden Pferden will sie ins Team für die Weltreiterspiele. Die Entscheidung trifft der Bundestrainer Ende Juli. „Isabell habe ich immer gerne im Team, sie hat Biss und ist nervenstark“, sagt Holger Schmezer, „aber wie der Fußball-Bundestrainer beobachte ich alle Kandidaten bis zuletzt.“ Satchmo muss beweisen, dass er weiter solide geht. Über Warum Nicht ist Schmezer besonders erstaunt: „Den kenne ich, seit er fünf Jahre alt ist. Ich hätte nicht gedacht, dass der so weit kommt.“

Es waren schwere Zeiten für Isabell Werth. Ihr Pferd Gigolo war verabschiedet, der hoffnungsvolle Amaretto starb, sie trennte sich von ihrem Lehrmeister Uwe Schulten-Baumer. Ein Comeback also? Dieses Wort gefällt ihr nicht: „Ich war immer unter den ersten 10 oder 15 der Weltspitze“, sagt sie. Aber von einer der erfolgreichsten Dressurreiterinnen überhaupt wird mehr erwartet. „Für mich war immer klar, dass ich zwei Weltklassepferde habe“, sagt sie. Die beiden hätten ihre Qualitäten nur lange nicht öffentlich zeigen können. Beide machten immer wieder Blödsinn in Prüfungen, Satchmo stieg auch mal. Erst im Herbst in Stuttgart war Satchmo erstmals in Harmonie mit Isabell Werth zu sehen, die beiden stellten eine Weltrekord-Punktzahl auf. Isabell Werth hat zuverlässige Sponsoren, sie hat jetzt auch ihre eigene Anlage. Aber bedeutsam ist auch ihr Wille. Sie bleibt gerade bei schwierigen Pferden hartnäckig. Über die Arbeit mit Satchmo sei sie „demütig geworden“, letztlich hätte sie das Problem aber gefunden. Mehr sagt sie nicht.

„Isabell findet es gut, wenn die Pferde bocken“, sagt ihre Pferdepflegerin, morgens im Stall, „die mag Lebensaufgaben.“ Hinter einer Box steht Warum nicht. An die Gitterstäbe ist ein Schwein aus Plüsch gebunden, es trägt eine Sonnenbrille und sieht schon ziemlich abgenutzt aus. „Der spielt halt gerne“, sagt die Pflegerin. Jeder bekommt, was er braucht.

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