Sport : Elf Kämpfer sollt ihr sein

Cottbus will die Fans mit einer starken Leistung gegen Bayern versöhnen

Ingo Schmidt-Tychsen[Cottbus]

Auf ein weißes Laken hatten sie ihre Botschaft gesprüht, in Cottbus-Rot stand da: „Jetzt muss endlich Kampfgeist her, sonst bleiben unsere Plätze leer!“ Die Fans im Stadion der Freundschaft haben keine großen Ansprüche mehr nach 17 Punkten aus 23 Spielen und dem Tabellenplatz 18. Aber Leidenschaft, Wille, das sind sie in guter Eduard-Geyer-Tradition gewöhnt, das ist das Mindeste. „Das allein reicht nicht mehr“, sagt Steffen Heidrich, der Manager von Energie Cottbus. „Heute musst du in der Bundesliga die Waage zwischen Kampf und spielerischen Mitteln finden.“ Einige Fans tun sich schwer damit, dass Trainer Bojan Prasnikar so viel Wert auf schönen Fußball legt. Im letzten Spiel vor der Winterpause schien es, als hätte Prasnikar damit Erfolg: Hannover 96 wurde auseinandergeschraubt, mit 5:1. In der Rückrunde aber haben die Cottbuser in sechs Partien erst zwei Punkte geholt. Davon keinen zu Hause.

Nach der Niederlage gegen den VfB Stuttgart (0:1) am Dienstagabend war es Mittelfeldspieler Daniel Ziebig deshalb besonders wichtig festzustellen, „dass wir uns kämpferisch nichts vorzuwerfen haben“. Rückblickend kann er den Unmut der Fans nachvollziehen: „Die Kritik war nicht unberechtigt, wir haben zuletzt nicht immer 100 Prozent gegeben.“

Vielleicht gaben deshalb auch die Fans am Dienstag nicht alles – nur 13 150 Zuschauer kamen gegen den Deutschen Meister ins Stadion. Die meisten wussten nach dem Spiel auch nicht so richtig, wie sie auf die knappe Niederlage reagieren sollten. Pfeifen oder applaudieren? Das Spiel am kommenden Samstag könnte für Cottbus deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt kommen: Bayern München spielt im Stadion der Freundschaft. „Es ist ausverkauft“, sagt Manager Heidrich.

Mit einer starken Leistung würde die Mannschaft ihre Fans versöhnen, der Klub würde Kraft schöpfen für den Rest der Saison. „Spiele gegen Bayern sind immer etwas ganz Besonderes. Dass Energie Cottbus in der Bundesliga gegen diese Mannschaft antreten darf, zum wiederholten Male, das muss man auch mal herausstreichen“, sagt Heidrich.

Unabhängig vom Spiel gegen Bayern München glaubt Heidrich noch fest an den Klassenerhalt. „Es ist noch überhaupt nichts verloren, wir haben noch genügend Duelle mit direkten Konkurrenten“, sagt er. Der Tabellenletzte Cottbus hat nur zwei Punkte Rückstand auf Platz 15. Präsident Ulrich Lepsch glaubt, „dass der Abstiegskampf an den letzten fünf Spieltagen erst entschieden wird“. Die Begegnung mit Bayern München sei dennoch eine gute Gelegenheit, „um den Schalter noch umzulegen“. Energie wird bei dieser Mission jedoch auf Kapitän Timo Rost verzichten müssen, der gegen Stuttgart die fünfte Gelbe Karte sah. Gerade ihn hatte Lepsch gegen Stuttgart „als echten Anführer und Kämpfer“ erlebt.

Auch wenn ein Abstieg nicht das Aus für Energie bedeuten würde, wesentliche Einschränkungen wären damit schon verbunden. Das Stadion soll nur umgebaut werden, wenn Cottbus die Klasse hält. „Ansonsten ist das nicht bezahlbar“, sagt Heidrich. Eine Erweiterung der Stadionkapazität ist aber nicht vorgesehen. Bei einem Zuschauerschnitt von unter 15 000, dem schlechtesten in der Bundesliga, ist das nicht notwendig. Das Stadion der Freundschaft fasst 22 700 Plätze.

Die Verträge der Spieler gelten zwar alle auch für die Zweite Bundesliga – durch Ausstiegsklauseln könnten trotzdem einige den Verein verlassen. „So eine Klausel muss im Vertrag stehen, sonst unterschreibt ein Spieler gar nicht erst“, sagt Heidrich. Mit Sicherheit wird der Trainer bleiben, schon bei der Vorstellung von Prasnikar vor einem halben Jahr hatten die Verantwortlichen das betont. Ob es die Fans freuen würde? Am Samstag kann Prasnikar sie überzeugen.

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