Sport : Elf Meter aus der Krise

Mit seinem zweiten Saisontor hilft Podolski sich und dem FC Bayern München

Klaus Raab[München]

Es gab Ärger während des Champions-League-Spiels des FC Bayern München bei Real Madrid. Die Konfliktparteien: Mark van Bommel und Lukas Podolski. Van Bommel hielt Podolski, der in Madrid zwar auf dem Platz gestanden, im Prinzip aber nicht mitgespielt hatte, Untätigkeit vor. Er rüffelte ihn erst, dann schubste er ihn. Doch besser wurde der Sturm erst, nachdem eine halbe Stunde vor Spielende Claudio Pizarro für Podolski eingewechselt worden war. Auch viele Medien reagierten mit Kritik an Podolski.

Am Donnerstag wurde Podolski dann nach dem Training vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg von Journalisten gerufen. Er grinste breit, schleuderte ihnen eine abwinkende Hand entgegen und rief lachend: „Geht nach Hause, Amateure!“ – podolskisch für: Ihr habt Unrecht! Zwei Tage später machte er sein bislang bestes Saisonspiel. Verwandelte einen Elfmeter. Schubste danach Mark van Bommel so, wie der ihn in Madrid geschubst hatte.

Nach fünf Minuten hatte er bereits eine Torraumszene angedeutet, mehr als in Madrid in einer ganzen Stunde. Nach 27 Minuten schoss er sein zweites Saisontor. Bis zur 73. Minute, als er ausgewechselt wurde, hatte er weitere Tormöglichkeiten und bereitete Chancen von Pizarro und van Bommel vor. Nach 90 Minuten sagte er: „Es ist doch auch ungerecht, jemanden nach nur einem schlechten Spiel so zu behandeln“ – womit er die Kritik an sich meinte, die aber nicht wirklich auf nur einem Spiel basierte, sondern darauf, dass Podolski in sechs Monaten bei Bayern München noch kein richtig gutes gemacht hatte. „Heute“, sagte er, „lief es für mich eben gleich viel besser.“ Die wohl überraschendste Erkenntnis des 23. Spieltags war also diese: Lukas Podolski hat einen wichtigen Teil zur Münchner Krisenbewältigung beigetragen. Dabei war nicht absehbar gewesen, dass er überhaupt spielen würde. Roy Makaay, bester Torschütze und einer der konstantesten Spieler im Team, saß für ihn auf der Bank. „Ich wollte Lukas nicht opfern“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld. „Wenn ich ihn nach der Kritik, die er einstecken musste, draußen gelassen hätte, wäre er in seiner Entwicklung wieder gebremst worden.“

Gegen Bielefeld war Podolski fleißig, aber glücklos gewesen, in Madrid ein Totalausfall. Aber jetzt am Donnerstag gehörte er zu Bayerns Besten. Im Sommer war er aus Köln nach München gewechselt, zwischendurch bei der WM zum besten Nachwuchsspieler des Turniers gewählt worden. Er hat mit nur 21 Jahren schon 37 Länderspiele gemacht. Unter Trainer Felix Magath spielte er bei Bayern nur drei Mal von Beginn an. Zuletzt steckte er in einem derartigen Formtief, dass selbst sein Stammplatz in der Nationalelf in Gefahr schien.

Unter Hitzfeld, der erst seit 26 Tagen Trainer in München ist, traut Podolski sich wieder etwas, ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Es ist schließlich nicht vorgesehen gewesen, dass der Jüngste im Team vor 69 000 Zuschauern zum Elfmeter antritt. Er tat es einfach. Vielleicht hat er mit diesem Erfolgserlebnis den entscheidenden Schritt aus seiner persönlichen Krise gemacht.

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