Sport : Elf Paar Schuhe sollt ihr tragen

Markus Hesselmann

Ein Drama! Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes richtet sich mit einem verzweifelten öffentlichen Appell an seine Fußballer: „Wir dürfen uns von diesem Thema nicht die WM- Stimmung kaputt machen lassen“, mahnt Theo Zwanziger. Wenn die gute Stimmung in Deutschland so schnell kaputt gehen kann, dann wird es mit ihr nicht so weit her sein. Die Dimension des Schuhstreits in der Nationalmannschaft liegt für den DFB denn auch weniger in einer Gefährdung der Stimmung als in seiner besonderen Beziehung nach Herzogenaurach. Die fränkische Firma Adidas ist für den deutschen Fußball mehr als irgendein Sportartikellieferant. Sie gehört zum Wiederauferstehungsmythos des deutschen Fußballs: Als der Adi Dassler dem Seppl Herberger und seinen elf Freunden die Stollen unterschraubte und die dann 1954 auf regennassem Rasen in Bern …

Nun ist nicht mehr 1954, sondern 2006, und Deutschland gehört neben Österreich zu den letzten Rückzugsgebieten des Markenschuhmonopols. Wie sich die Zeiten ändern, zeigt Oliver Bierhoff, der als Nationalspieler einst selbst für Schuhfreiheit kämpfte und heute als DFB- Funktionär in keiner einfachen Situation ist. Dagegen ist die juristische Sachlage zunächst einmal einfach: Es besteht ein Vertrag, der einzuhalten ist. Wenn Adidas den Spielern demnächst entgegenkommt, schön. Wenn nicht, haben sich alle Beteiligten, also auch die Spieler, als Mitarbeiter des DFB an diesen Vertrag zu halten.

Interessant ist, was dann kommt. Bei den nächsten Vertragsverhandlungen sollte sich der DFB nach den Wünschen seiner wichtigsten Angestellten richten und das überkommene Schuhmonopol aufgeben. Vielleicht erinnert sich der Präsident ja wieder an die WM-Stimmung. Die haben nicht DFB-Funktionäre verbreitet, sondern deutsche Fußballer. Und deutsche Fans, denen es egal ist, in welchen Töppen ihre Spieler auflaufen.

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