Elfmeterdrama : 34 mal 11 Meter

Im griechischen Pokalfinale passiert Unglaubliches: Das Elfmeterschießen findet erst beim 15:14 ein Ende, Olympiakos Piräus geht erst nach insgesamt drei Stunden und 15 Minuten als Sieger vom Platz.

Gerd Höhler[Athen]
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Nach dem Spiel ist auf dem Tor. Olympiakos' Spieler wussten ihren ungewöhnlichen Sieg auch ungewöhnlich zu feiern.Foto: dpa

So ein Pokalfinale wie die Begegnung zwischen Olympiakos Piräus und AEK Athen hat es wohl noch nie gegeben, zumindest nicht in Europa: Eine alle Sinne betörende Spannung hielt die Zuschauer am Wochenende im Athener Olympiastadion in Atem – und das drei Stunden und 15 Minuten lang, in deren Verlauf nicht weniger als 37 Tore fielen. Die Zuschauer im Stadion, zu denen auch der sportbegeisterte griechische Staatspräsident Karolos Papoulias gehörte, erlebten einen 20 Minuten andauernden Elfmeter-Marathon, den Olympiakos nach 34 Elfmetern gewann. „Das ist das verrückteste Spiel aller Zeiten“, jubelte das griechische Fernsehen noch am Montag danach. Eine „oscarreife Vorstellung“ sah die Zeitung „Eleftheros Typos“, und das Massenblatt „Ta Nea“ bilanzierte schließlich ein „Finale der Legenden“.

Dabei glaubte die Mannschaft von AEK Athen den Pokal bereits während der regulären 90 Minuten mehrfach gewonnen zu haben. Schon nach zehn Minuten führte der von der Mehrheit der Fans unterstützte Hauptstadtklub mit 2:0. Das war auch der Halbzeitstand. In der zweiten Halbzeit aber drehte Olympiakos auf: der gerade eingewechselte Matt Derbyshire erzielte den Anschlusstreffer zum 1:2, Dudu Cearense gelang der Ausgleich. Doch als AEK in der 90. Minute das 3:2 schoss, schien die schon jetzt dramatische Partie gelaufen. Aber wegen vieler Verletzungen ließ der Schiedsrichter sechs Minuten nachspielen. Staatspräsident Papoulias wollte sich bereits erheben, um sich auf die Siegerehrung vorzubereiten – da schoss Derbyshire unmittelbar vor dem Abpfiff das 3:3. Auch die Verlängerung, in der Olympiakos wegen zwei Roter Karten zuletzt nur noch mit neun Spielern kämpfte, brachte keine Entscheidung: die erste Führung von Olympiakos in der 102. Minute konnte AEK fünf Minuten später zum 4:4 ausgleichen. Das nun folgende Elfmeterschießen sollte die großartige Dramatik dieses Finales noch steigern.

Nachdem acht Elfmeter im Netz gelandet sind, donnert AEK-Spieler Danijel Majstorovic den Ball an den Pfosten – eine Riesenchance für Olympiakos. Mannschaftskapitän Predrag Djorjevic, der sein Abschiedsspiel bestreitet, läuft an, schießt – aber AEK-Torhüter Sebastian Saja hält. Es steht auch im Elfmeterduell weiter 4:4. Als beim Stand von 7:7 Nikopolidis einen Elfmeter des AEK- Schützen Georgeas hält, brechen die Olympiakos-Fans erneut in Jubel aus – doch auch AEK-Torhüter Sajas kann den nächsten Schuss auf seinen Kasten abwehren. Danach gelingen beiden Mannschaften noch je sieben Treffer, und die Spannung wird zur Agonie – bis Olympiakos-Torhüter Nikopolidis mit dem 15:14 im Elfmeterschießen seine Mannschaft zum griechischen Pokalsieg schießt.

Nun ist Olympiakos nicht nur wieder Meister und Pokalsieger, sondern auch Sieger des längsten Endspiels der europäischen Klubgeschichte.

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