EM 2008 : Ballack fordert Generalprobe mit Stammelf

Klartext vom Kapitän: Michael Ballack hat Joachim Löw im ausklingenden Trainingslager energisch zu einem Verzicht auf weitere Experimente aufgefordert. Die Generalprobe gegen Serbien solle mit der EM-Elf stattfinden. Spannend bleibt, wer neben Klose stürmen wird.

Klaus Bergmann,Jens Mende[dpa]
Ballack Foto: ddp
Der Kapitän der Deutschen Nationalelf, Michael Ballack. -Foto: ddp

Palma de Mallorca "Ich würde mich freuen - und es ist wichtig -, dass das letzte Spiel vor der EM dazu genutzt wird, uns einzuspielen", so der Chef des deutschen Fußball-Nationalteams, Michael Ballack,  zwei Tage vor dem Länderspiel in Gelsenkirchen. "Test heißt auch deshalb Test, dass die beste Elf spielt. Das Spiel ist eine Standortbestimmung. Jeder will anschließend mit einem guten Gefühl in die zwei freien Tagen gehen", betonte der 31-Jährige.

Der Bundestrainer hatte dagegen tags zuvor andere Pläne für den letzten Testlauf am Samstag (17.30 Uhr im ZDF) angedeutet: "Es muss nicht unbedingt die Mannschaft auflaufen, die gegen Polen aufläuft. Wir können uns auch über das Training einspielen." Am vorletzten Übungstag auf Mallorca, an dem endlich einmal wieder die Sonne schien, stand am Donnerstag erstmals der komplette Kader auf dem Platz - inklusive der angeschlagenen Münchner Marcell Jansen (muskuläre Probleme) und Bastian Schweinsteiger. Der Mittelfeldspieler biss trotz der Kapselverletzung aus dem Weißrussland-Test auf die Zähne und hielt bis zu dem von den Medizinern festgelegten Stoppsignal durch.

Spieler jammern - gutes Zeichen

Nach der Reduzierung des Kaders auf 23 Mann ist der Kampf um die Plätze in der Startelf voll entbrannt, keiner kann und darf mehr locker lassen. "Die Spieler sind müde und jammern ein bisschen, aber das ist ein gutes Zeichen", registrierte der im Training überragende Ballack erfreut: "Es ist erforderlich, 120 Prozent herauszukitzeln." Um "auf Schalke" eine frischere Mannschaft zu präsentieren, setzte Löw das Abschlusstraining für Freitagmorgen noch auf Mallorca an. Damit bleibt nach dem Rückflug nach Deutschland deutlich mehr Zeit zur Regeneration.

Es ist beeindruckend, mit welcher Entschlossenheit der nach seiner langen Verletzungspause in England nochmals enorm gereifte Ballack sein "dramatisches Saisonfinale" mit dem FC Chelsea und den verpassten Champions-League-Triumph für "abgehakt" erklärte und nun mit noch größerem Elan die EM anvisiert. 45 Minuten Klartext sprach Ballack am Donnerstag bei seiner Pressekonferenz im Stadion "Son Moix" - und es war für jeden Beobachter spürbar, dass er das Team in Österreich und der Schweiz ganz weit führen will.

Abwehr das A und O

"Die Ansprüche waren vor ein paar Jahren noch anders, da war noch mehr Skepsis geboten", sagte Ballack. Einen erneuten Vorrunden-k.o., wie er ihn 2000 und 2004 miterlebt hatte, kann er sich nicht vorstellen. Nicht nur die Gruppe mit Polen, Kroatien und Gastgeber Österreich erklärte er für "machbar", sondern auch die anschließenden k.o.-Runden: "Wir nehmen die Herausforderung an, zum Favoritenkreis zu zählen. Wir waren Dritter bei der WM, warum sollten wir uns nicht zutrauen, ins Finale zu kommen?"

Die Voraussetzungen sieht er mit einer gefestigten Mannschaft und vier Top-Stürmern, "die den Unterschied ausmachen können", gegeben: "Nicht zuletzt durch die gute EM-Qualifikation haben wir viel Selbstvertrauen." Ballack glaubt ans Kollektiv, aber nach den vielen Defensiv-Mängeln beim 2:2 gegen die Weißrussen mahnte er deutliche Fortschritte einzelner Akteure wie Torhüter Jens Lehmann oder Christoph Metzelder an, ohne deren Namen zu nennen. "Jeder Einzelne muss sich hinterfragen, ehrlich sein und sich so fordern, dass er das Bestmögliche herausholt für die Mannschaft. Ich hoffe, dass wir gegen Serbien einen entscheidenden Schritt nach vorne machen können. Die Defensive ist das A und O."

"Poldi drängt sich auf"

Im Verbund mit seinem langjährigen Nebenmann Torsten Frings sieht sich Ballack auch in diesem Punkt in einer Schlüsselrolle. "Im 4-4-2-System sind wir zwei in der Mitte enorm wichtig für die Stabilität der Mannschaft", betonte der torgefährliche Mittelfeldspieler. Die Zeit drängt, denn am 8. Juni in Klagenfurt "müssen wir auf einem ganz hohen Level sein", wie Löw forderte. "Gegen Polen gibt es keine Ausreden mehr, da muss jeder topfit sein", ergänzte Ballack.

Wenn die angeschlagenen Schweinsteiger und Jansen spielen können, stellt sich für den vom Kapitän geforderten Probelauf der EM-Elf wohl nur eine große Personalfrage: Wer stürmt gegen die Serben, die am Mittwochabend gegen EM-Teilnehmer Russland 1:2 verloren, an der Seite von Miroslav Klose? Favorit Mario Gomez hat durch Trainingspausen in der Vorbereitung eingebüßt. Der Schalker Kevin Kuranyi konnte sich nicht entscheidend aufdrängen. Plötzlich spricht wieder vieles für Lukas Podolski und damit eine Neuauflage des WM-Sturms. "Poldi drängt sich auf", hat auch Klose festgestellt.

Die voraussichtliche Aufstellung: Lehmann - Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen - Fritz, Frings, Ballack, Schweinsteiger - Klose, Podolski.

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