EM 2013 : Das Turnier nach der Explosion

Zwei Jahre nach dem WM-Hype im eigenen Land starten die deutschen Fußballerinnen bei der Europameisterschaft in Schweden einen Neubeginn.

Gregor Derichs
Ende des Trubels. Japans Karina Maruyama schießt Gastgeber Deutschland mit ihrem 1:0 in der Verlängerung aus dem WM-Turnier 2011. Foto: dpa
Ende des Trubels. Japans Karina Maruyama schießt Gastgeber Deutschland mit ihrem 1:0 in der Verlängerung aus dem WM-Turnier 2011....Foto: dpa

Es ist Zeit für einen Neustart. Während andere Sportarten vom omnipräsenten Männerfußball ins mediale Abseits gestellt werden, spielt das deutsche Fußballnationalteam der Frauen ab heute wieder zur besten Sendezeit bei den öffentlichen-rechtlichen Fernsehanstalten auf. Das erste Gruppenspiel der Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid bei der Europameisterschaft in Schweden gegen die Niederlande ist für 20.30 Uhr angesetzt worden. Das ZDF überträgt live, wie auch die zweite Partie gegen Island am Sonntag, am Mittwoch gegen Norwegen die ARD. Dabei kämpft der deutsche Frauenfußball zwei Jahre nach dem Viertelfinal-Aus gegen den späteren Champion Japan bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land mit einem Defizit an öffentlicher Aufmerksamkeit. „Mit der EM hat das Interesse wieder etwas angezogen“, sagt Teammanagerin Doris Fitschen.

Andere Sportarten im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ärgern sich über die Luxusbehandlung für die DFB-Frauen, weil sie selbst von den TV-Anstalten links liegen gelassen werden. Die Fußballerinnen profitieren von der Verhandlungsmacht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der von den Fernsehsendern verlangt, dass sie neben der Männernationalelf auch das Frauenteam zeigen müssen. Würden die Leistungen bei der EM nun unter den Erwartungen bleiben, wäre das ein Desaster für den DFB und die Sender.

Aber das neuformierte deutsche Team besitzt – zumindest auf dem Papier – ein höheres Begeisterungspotenzial als die verunsicherte WM-Elf von 2011. Junge Talente haben die Plätze der zurückgetretenen oder verletzten Spielerinnen eingenommen. Beim letzten Testspiel, das mit 4:2 gegen Weltmeister Japan vor 46.000 Zuschauern in München gewonnen wurde, trumpfte das Team mit unbekümmerter Lockerheit auf und zeigte perfektes Teamwork.

Nach der WM 2011 hatte zunächst Ruhe nach dem Trubel geherrscht. Der DFB hatte es zuvor geschafft, einen riesigen Hype zu entfachen. Viel wurde investiert, um die Erwartung auf ein zweites Sommermärchen, fünf Jahre nach der Männer-WM 2006, zu erfüllen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel war begeistert von den Weltmeisterinnen der Jahre 2003 und 2007. 75.000 Zuschauer kamen zum Eröffnungsspiel in Berlin gegen Kanada. Während der WM garantierten die DFB-Frauen ARD und ZDF beste Einschaltquoten von bis zu zwölf Millionen Zuschauern, das Finale zwischen den USA und Japan verfolgten mehr als 15 Millionen. Doch es war nur eine Liebe für einen Sommer.

Die Frauen-Länderspiele wollten danach im Schnitt nur noch rund zwei Millionen Fernsehzuschauer sehen. Auch die Bundesliga-Vereine landeten in der Normalität einer durchschnittlichen Amateursportart. Zu den Spielen kamen fast 40 Prozent mehr Zuschauer, der Schnitt liegt allerdings bei gut 900. Einige Vereine gerieten in größte Not. Die Entwicklung des FCR Duisburg war typisch. Vier Jahre nach dem Gewinn des DFB- und des Uefa-Pokals stand der Klub vor der Pleite. 2012 wurde Insolvenz beantragt. Inzwischen ist der Klub zwar finanziell gerettet, spielt nach dem Weggang aller Nationalspielerinnen aber nur noch gegen den Abstieg.

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