EM-Auslosung : Die Nationalmannschaft kehrt nach St. Denis zurück

Leichte Gegner und ein schweres Spiel: Die deutsche Nationalmannschaft trifft bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr auf Polen, die Ukraine und Nordirland.

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Man kennt sich. Polen und Deutschland sind schon in der Qualifikation zur Europameisterschaft in Frankreich aufeinandergetroffen. Im Sommer werden sie sich bei der Endrunde wiedersehen.
Man kennt sich. Polen und Deutschland sind schon in der Qualifikation zur Europameisterschaft in Frankreich aufeinandergetroffen....Foto: picture alliance / dpa

Für einen Moment wurde es dann doch noch ein bisschen spannend für die deutsche Delegation. David Trezeguet hatte das Los aus Topf zwei in der Hand. Der frühere französische Nationalspieler schien sich extra viel Zeit zu lassen, bis er es vollständig entfaltet hatte. Auf dem Los hätte „Italy“ stehen können, der amtlich beglaubigte Angstgegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Stand aber nicht. Stattdessen: Ukraine. Oliver Bierhoff, der Manager des Nationalteams, der als Losfee auf der Bühne stand, konnte erst einmal durchatmen. „Wir haben sicher Glück gehabt“, sagte Bierhoff. „Wir wollten Italien unbedingt vermeiden.“ Allzu übel wurde den Deutschen mal wieder nicht mitgespielt bei der Auslosung zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich im kommenden Sommer. Neben der Ukraine trifft das Team von Joachim Löw auf Polen und den EM-Neuling Nordirland. „Wir sind Favorit in der Gruppe und wollen sie gewinnen“, sagte der Bundestrainer.

Vom typisch deutschen Losglück konnte trotzdem nicht die Rede sein. Das Glück war diesmal – angesichts des aufgestockten Teilnehmerfeldes – recht gleichmäßig auf fast alle großen Nationen verteilt. Die Vorrunde könnte ein recht berechenbares Vorgeplänkel werden, ehe es mit dem Achtelfinale richtig losgeht – und damit alle Kritiker an der Aufblähung des Turniers in ihrer ablehnenden Haltung bestätigen. Der dafür Verantwortliche, Uefa-Präsident Michel Platini, fehlte bei der recht schmucklosen und zügigen Veranstaltung in Paris, weil er von der Fifa-Ethikkommission für insgesamt 90 Tage suspendiert worden war.

Allein die Gruppe E mit dem Weltranglistenersten Belgien, mit Italien, Irland und Schweden verspricht ein bisschen Spannung; in der Gruppe B kommt es zum brisanten Aufeinandertreffen zwischen England und Wales, einem von fünf EM-Debütanten. Und in der Gruppe A von Gastgeber Frankreich könnte es ein richtiges Bruderduell geben. Der Mönchengladbacher Granit Xhaka trifft mit der Schweiz auf die Albaner, für die sein älterer Bruder Taulant spielt.

Eröffnet wird die Europameisterschaft, an der erstmals 24 Mannschaften teilnehmen, am 10. Juni im Stade de France mit der Partie Frankreich gegen Rumänien. Zwei Tage später fängt das Turnier auch für die Deutschen an: In Lille treffen sie auf die Ukraine. Für die beiden anderen Vorrundenspiele werden sie von ihrem Teamquartier in Evian am Genfer See nach Paris reisen. Am 16. Juni kehrt die Nationalmannschaft für die Begegnung mit Polen ins Stade de France zurück, wo sie am 13. November während der Terroranschläge in Paris spielte und anschließend die Nacht in den Katakomben verbringen musste. „Das wird sicher nicht aus den Köpfen raus sein, was da alles passiert ist“, sagte Löw. „Man kann das vielleicht ein bisschen verdrängen. Aber irgendwann wird man damit wieder konfrontiert, wenn man nach Paris kommt. Ich denke aber nicht, dass es ein Nachteil ist, in dem Stadion zu spielen.“ Im Stade de France, im Pariser Vorort St. Denis, wird am 10. Juli auch das EM-Finale ausgetragen.

Deutschlands letztes Gruppenspiel gegen Nordirland findet am 21. Juni im Pariser Prinzenpark statt. Nach der Aufstockung des Turniers erreichen nicht nur die Ersten und Zweiten der sechs Gruppe das Achtelfinale, sondern auch die vier besten Dritten.

Stärkster Gegner der Deutschen sind im kommenden Sommer vermutlich die Polen, auf die sie schon bei der EM 2008 in der Vorrunde getroffen sind. Mit Robert Lewandowski vom FC Bayern München haben die Polen einen der besten Stürmer der Welt in ihren Reihen. Vermutlich auch seinetwegen bescheinigte Bundestrainer Löw dem polnischen Team „eine große Qualität“. Das bekam seine Mannschaft schon in der Qualifikation zu spüren, als sie das Hinspiel im Warschauer Nationalstadion 0:2 verlor. Es war allerdings in bisher zwanzig Länderspielen ihre einzige Niederlage gegen Polen. Das Rückspiel entschieden die Deutschen mit 3:1 für sich.

Das Drohpotenzial der beiden anderen Gegner hält sich für den Weltmeister vermutlich in Grenzen, selbst wenn Löw ihnen nach der Auslosung ein paar freundliche Worte widmete: „Auch die Nordiren und die Ukraine können mit ihrer Verteidigung und dem Konterspiel unangenehm werden.“ Umgekehrt dürfte es vermutlich unangenehmer werden. (mit dpa)

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