EM-Auslosung : Hoffen auf Österreich, zittern vor Italien

Bloß keine Angst vor großen Namen: Der deutschen Fußball-Nationalmannschaft drohen bei der Auslosung zur EM in der Schweiz und Österreich ganz dicke Brocken. Doch Bundestrainer Jogi Löw zeigt keine Angst.

Arne Richter,Klaus Bergmann[dpa]

Luzern Gegen ein Vorrunden-Duell mit Weltmeister Italien hätte der Bundestrainer nichts einzuwenden. "Es ist ein Turnier auf hohem Niveau, man darf sich keinen Fehler erlauben. Vielleicht ist es sogar ein Vorteil, gleich auf starke Gegner zu treffen wie Italien. Dann geht man ihnen später aus dem Weg", sagte Löw vor der Los-Zeremonie am Sonntag (12 Uhr/ZDF) im Kultur- und Kongresszentrum von Luzern.

Bei der beinahe 900.000 Euro teuren Auslosungs-Show für die Endrunde vom 7. bis 29. Juni 2008 könnte die DFB-Auswahl ihr schon traditionelles Losglück durchaus wieder gebrauchen. Im schlimmsten Falle droht dem nur in Topf drei gesetzten Löw-Team nämlich eine Super-Gruppe mit den europäischen Ex-Champions aus den Niederlanden, Frankreich und Italien. Wie ein beschaulicher Alpenspaziergang mutet dagegen eine ebenso mögliche Gruppe mit Co-Gastgeber Österreich, Schweden und Russland als ersten Kontrahenten an.

Gewachsenes Selbstvertrauen

"Unser Ziel ist es, bei der EM weit zu kommen. Da muss man die Gegner nehmen, wie sie zugelost werden. Ich vertraue auf die deutsche Leistung. Wir haben die EM-Qualifikation und auch die WM ordentlich gespielt", beschrieb der Münchner Abwehrspieler Philipp Lahm das seit den erfolgreichen WM-Tagen stetig gewachsene Selbstvertrauen. "Wenn wir Europameister werden wollen, kommen wir ohnehin irgendwann gegen die Italiener", sagte Stuttgarts Stürmer Mario Gomez. DFB-Chef Theo Zwanziger rechnet in jedem Fall mit "ambitionierten und gefährlichen Gegnern".

Vor der Auslosung für sein erstes großes Turnier in der Chefrolle gesteht Löw eine gewisse Nervosität durchaus ein. "Es herrscht große Spannung, das ist klar. Es ist ein Ereignis, das unmittelbar ansteht und Priorität hat, im Gegensatz zu der WM-Qualifikation", sagte der nach seiner Weisheitszahnoperation in der Vorwoche wieder reisetaugliche Bundestrainer. Auf die bei den Fans beliebten "Rechenspiele oder Spekulationen" will sich der 47-Jährige nicht einlassen.

Gruppe C bevorzugt

Neben den Gegnern wird die DFB-Auswahl am Sonntag auch ihre EM-Spielorte erfahren. Im Gegensatz zur Konkurrenz hat man sich beim DFB mit dem Hotel Giardino in Ascona im Schweizer Kanton Tessin vorzeitig auf ein Quartier festgelegt. "Wichtig sind gute Plätze, kurze Wege und dass sich die Spieler wohl fühlen", erklärte Löw. Ob es sein Team für die Vorrunden-Partien in die Schweiz (Gruppen A und C) oder nach Österreich (Gruppen B und D) verschlägt, ist dem Bundestrainer aus logistischer Sicht egal. "Wir sind vom Flughafen in Lugano in einer Stunde an jedem Spielort", sagte er.

Dennoch käme ein Platz in den Gruppen C (Spielorte Bern/Zürich) oder D (Salzburg/Innsbruck) durchaus gelegen. Dann würde das DFB-Team erst am 9. oder 10. Juni ins Turnier einsteigen und hätte bis zu drei Tage mehr Zeit für die ohnehin knapp bemessene Vorbereitung. Zwei Tage nach dem Bundesliga-Ende zieht Löw am 19. Mai seinen EM-Kader zusammen. Nach dem rund zehntägigen Trainingslager auf Mallorca sind zwei Testspiele in Deutschland geplant. Die Gegner werden aber erst nach der Auslosung festgelegt. "Wir warten die Auslosung ab. Danach beschäftigen wir uns damit, wen wir zu Länderspielen einladen. Die Trainer haben schon Kategorien aufgestellt", sagte Teammanager Oliver Bierhoff.

Innerhalb von 50 Minuten sollen am Sonntag alle vier Gruppen ausgelost sein. Bislang steht nur fest, dass die Gastgeber Schweiz und Österreich in den Gruppen A und B gesetzt sind und ihre drei Vorrundenspiele in Basel beziehungsweise Wien austragen. Titelverteidiger Griechenland mit Trainer Otto Rehhagel ("Mir ist das Los ganz egal. Wir nehmen es wie es kommt") und die Niederlande werden den Gruppen C oder D als "Köpfe" zugelost und werden ihre Partien in Bern oder Salzburg bestreiten. (mit dpa)

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