EM-Auslosung : Mamma Mia: Zittern in Frankreich und Italien

Italien jammert, Frankreich flucht - und ganz Europa staunt über das unvorstellbare Losglück der Deutschen. Die Gruppenauslosung für die Fußball-EM 2008 hat in den Ländern der "Todesgruppe C" großes Wehklagen ausgelöst.

Arne Richter[dpa]
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Objekt der Begierde. Auf die Trainer der Todesgruppen-Kandidaten wartet ein hartes Stück Arbeit. -Foto: AFP

Hamburg "Mamma Mia - eine Auslosung zum Fürchten. Das wird hart", schrieb "La Gazetta dello Sport" über Italiens Gegner Frankreich, Niederlande und Rumänien. "Wir und Frankreich - was für ein Alptraum", titelte "La Republica" über die Neuauflage des WM-Finales schon in der Gruppenphase.

In den Niederlanden - die schon bei der WM 2006 schwere Gegner erwischt hatten - wurde das Los mit Entsetzen, aber auch mit einer Portion Galgenhumor aufgenommen. "Eine höllische Aufgabe", schrieb "De Telegraaf". Die Zeitung "De Volkskrant betonte den sportlichen Reiz: "Eine fantastische Todesgruppe". In Frankreich wurde in Sport-Geschichtsbüchern gewälzt und "Libération" stufte die Gruppe C auf einem "Podestplatz" der schwersten Vorrundenaufgaben aller Zeiten ein.

"Glückliches Deutschland"

Zumindest in Zürich und Bern war die Freude groß: Im Letzigrund und im neuen Wankdorf-Stadion finden die wohl attraktivsten Vorrundenpartien statt. Beide Arenen bieten allerdings nur 30.000 Besuchern Platz.

So groß der Ärger über drei EM-Topfavoriten in einer Gruppe, so groß war das Staunen über das erneute Fortune der Deutschen: "Glückliches Deutschland", lautete der Tenor aus allen Ländern. "Für die Deutschen ist es großartig gelaufen", schrieb "La Gazetta dello Sport" zu den DFB-Gegnern Österreich, Kroatien und Polen in Gruppe B. "Le Figaro" erklärte die Löw-Auswahl gleich zum EM-Favoriten - vor Spanien, Italien und dem eigenen französischen Team.

Martialische Töne aus Polen

Auch bei den deutschen Gegnern freute man sich. Die kroatische Zeitung "Sportske novosti" schrieb von einer "Traum-Auslosung". "24 sata" sieht den WM-Dritten von 1998 schon im Viertelfinale: "Wir gehen weiter". Ein besonderer Dank ging an Jürgen Klinsmann, der den Kroaten als Losfee die leichte Gruppe beschert hatte. Polens Presse puscht das erneute Nachbarschaftsduell mit martialischen Worten und Kriegsanalogien hoch. "Wir müssen die Deutschen in die Knie zwingen", schrieb "Gazeta Wyborcza" und erinnerte an die siegreiche Schlacht bei Tannenberg im Jahr 1410.

Co-Gastgeber Österreich versteift sich ganz auf die Erinnerung an Cordoba 1978 und das sportlich legendäre 3:2 gegen Deutschland. "Der Standard" warnte jedoch vor zu viel Nostalgie: "Ob die Party nicht nur richtig groß ist, sondern auch richtig geil, wird sich erst weisen. Das Reden von einem 3:2-Sieg, der fast dreißig Jahre zurückliegt, und das Träumen von einer Cordoba-Neuauflage trägt vielleicht zur Geilheit bei."

Ottos Lottogewinn

In der Schweiz freute man sich über attraktive Gegner (Tschechien, Portugal und die Türkei) und war bemüht, sich als leidenschaftlicher Gastgeber zu präsentieren. "Klar doch wird das ein Fest - das Ausland wird staunen. Man unterschätzt unseren Euphoriegrad."

Zum Déjà-vu wird die EM-Vorrunde für Titelverteidiger Griechenland und Meistertrainer Otto Rehhagel. Auch auf dem Weg zum Triumph 2004 waren Spanien und Russland Vorrundengegner. Statt Portugal ist diesmal Schweden der dritte Kontrahent. "Otto hat wieder im Lotto gewonnen", schrieb die Zeitung Eleftheros Typos". "Träumen ist nicht verboten", titelte "Athlitiki" (mit dpa)

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