EM-Bilanz : Platini lächelt, lobt - und warnt

Dickes Lob für die EM-Organisatoren 2008, deutliche Warnung an die EM-Macher 2012: Uefa-Präsident Michel Platini hat einen Tag vor dem Endspiel zwischen Deutschland und Spanien die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz als durchweg gelungene Veranstaltung bezeichnet. "Der Geist des Turniers war ausgezeichnet. Die UEFA ist glücklich. Sie sehen mich lächeln", sagte der Franzose über das erste Großereignis unter seiner Regie.

Gleichzeitig schickte der 53-Jährige mahnende Worte an die Gastgeber der kommenden EM in Polen und der Ukraine und schloss erstmals öffentlich eine Neuvergabe nicht aus. Im September werde darüber durch das Exekutivkomitee des Kontinentalverbandes entschieden werden, kündigte Platini an.

In seiner Turnierbilanz hob Platini besonders die zumeist offensive Spielweise bei den 31 Partien mit 76 Toren bis zum Finale
hervor. "Ich möchte mich bei allen bedanken, in erste Linie bei den Spielern und Trainern, die das positive Image des Fußballs vermittelt haben", sagte Platini. Der Angriffsgeist habe sich ausgezahlt: "Alle die in einem positiven Sinn gespielt haben, haben gewonnen", sagte Platini und machte damit ohne sie beim Namen zu nennen auch den Finalgegnern Deutschland und Spanien ein Kompliment. Im Endspiel am Sonntag im Wiener Ernst-Happel-Stadion erwarte er ein "großes Match zweier aggressiver Mannschaften".

Besonders begeistert zeigte sich der sonst immer bemüht neutral auftretende Franzose - der deshalb auch das frühe Ausscheiden seines Heimatlandes nicht kommentieren wollte - von der russischen Mannschaft. "Sie haben mich angenehm überrascht."

Das für ihn schönste Bild der EM hat Platini aber nicht auf dem Rasen gesehen, sondern in den EM-Städten. Die vielen Anhänger aus den Teilnehmerländern, die gemeinsam ein Fußball-Fest gefeiert hätten, beglückten den einstigen Weltklasseprofi, der besonders die farbenfrohen Anhänger aus den Niederlanden und Portugal hervorhob. "Wir sind das Haus des Fußballs. Sie haben den Rahmen ausgefüllt, den die Gastgeberländer in einer perfekten Weise bereitgestellt haben", sagte Platini und deutete damit zwischen den Zeilen an, dass ohne die EM-Touristen die Fußball-Begeisterung in den Alpenrepubliken wohl nicht den gleichen Enthusiasmus-Grad erreicht hätte.

Sorgenvoll richtete Platini derweil schon einen Blick voraus. Die EM in vier Jahren macht der UEFA offenbar noch größeren Kummer als bislang eingestanden. Den üblichen Beteuerungen schickte Platini diesmal vor der versammelten Weltpresse eine konkrete verbale Warnung Richtung Polen und Ukraine. "Wir werden alles tun, damit die EM in Polen und der Ukraine stattfinden kann. Sollte es in den Hauptstädten Kiew und Warschau keine Stadien geben, gehen wir nicht dahin", sagte Platini. Die Gastgeberländer sollen ihre Organisationsprobleme schnell in den Griff bekommen. "Es gibt einige wichtige Punkte zu klären. Die Liste ist lang", sagte der Uefa-Boss. Schon am kommenden Mittwoch wird sich Platini mit einer zwölfköpfigen Inspektionsgruppe auf den Weg nach Polen und in die Ukraine machen, um sich am Ort des möglichen EM-Geschehens ein Bild machen zu können.

Spekulationen über angeblich bereits geführte Gespräche mit eventuellen Ersatzkandidaten wie Spanien oder Schottland wies Platini energisch zurück. "Es gibt keinen Plan B." Besonders in Kiew stockt der Stadionbau. In dieser Woche hatte die ukrainische Regierung einen Vertrag mit einem taiwanesischen Konsortium gekündigt. In beiden Ländern existieren offenbar massive Infrastrukturprobleme bezüglich Stadien, Transport und Hotelkapazitäten. In Polen ist der Fußball zudem von gewaltbereiten Fans und Korruptionsfällen belastet.

Beim entscheidenden Meeting im September in Bordeaux soll auch eine Aufstockung der EM-Teilnehmer ab dem Turnier 2016 auf 20 oder gar 24 Teilnehmer fixiert oder verworfen werden. "Alle möglichen Aspekte müssen berücksichtigt werden", sagte Platini, der zu diesem Thema bislang nicht richtig Stellung beziehen wollte. (dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben