EM-ENTSCHEIDER Gruppe C: Rumänien : Adrian Mutu

Hier stellen wir bis zur EM täglich die entscheidenden Spieler vor. Heute Folge 12.

Mathias Klappenbach
Mutu
Natürlicher Kick. Adrian Mutu bezieht seinen Rausch inzwischen aus dem Toreschießen. -Foto: AFP

Man kann es schaffen, als geläuterter Sünder noch mehr Anerkennung zu erfahren als vor dem Fall, richtig los wird man den Schatten trotzdem nie. Wenn bei dieser Fußball-Europameisterschaft die Rede auf Rumänien kommt, fällt alsbald das Wort Geheimfavorit. Aus irgendeinem Grund muss es immer einen Geheimfavoriten geben, und da von den 16 Teilnehmern schon so viele Mitfavoriten sind, bleibt kaum noch Auswahl für diese Rolle. Es wäre doch eine große Geschichte, wenn sich die Rumänen erst in der Gruppe mit Frankreich, Italien und den Niederlanden durchsetzten und dann noch weit kämen. Diese Geschichte braucht natürlich ein Gesicht, und es ist das von Adrian Mutu.

Es ist nun bald vier Jahre her, dass der Angreifer wegen Kokainkonsums für sieben Monate gesperrt war. Genau so, wie es einen deutschen Trainer auf ewig verfolgen wird, wird auch Mutu diese Verfehlung nicht los. Er ist immer noch das große Talent, dessen Hochzeit mit einer bekannten Fernsehmoderatorin live im rumänischen Staatsfernsehen übertragen wurde, für das der FC Chelsea später 23 Millionen Euro an den AC Parma bezahlte und das dann in London öfter mit Models im Arm als beim Toreschießen fotografiert wurde und eine große Karriere mit dem Kokain beinahe verschleudert hätte. Dabei hat der 29-Jährige inzwischen in Bukarest sein Jura-Studium abgeschlossen, ist nach eigener Aussage glücklich neu liiert und wird bald zum dritten Mal Vater. Zudem sagt er, dass er jetzt wieder in den Spiegel schauen könne und rät anderen, sich an dem früheren Mutu nur als abschreckendem Beispiel zu orientieren. In den italienischen Stadien wird er oft ausgepfiffen – weil Ausländerfeinde in Italien oft gegen Rumänen hetzen. Im Gegensatz zu anderen Profis äußerst er sich auch dazu – überlegt, vernünftig, auf Ausgleich bedacht.

Es ist nicht ganz fair, immer die alte Geschichte des Adrian Mutu zu erzählen, sie überdeckt die des Spielers. Der spielt nach der Entlassung bei Chelsea und zwei Saisons bei Juventus Turin inzwischen für den AC Florenz, für den er in der vergangenen Saison 17 Tore geschossen hat. Mit rechts und mit links, häufig von der linken Seite kommend, mit einem rasanten Antritt und vielen feinen Tricks. Schon als seine Sperre abgelaufen war, kehrte Mutu 2005 ohne jede Spielpraxis in die Nationalmannschaft zurück. „Er ist unser bester Spieler, eine feste Größe“, sagt Nationaltrainer Victor Piturca. Er baut ebenso fest auf Mutu wie Cesare Prandelli in Florenz. Die Trainer setzen ihn mal im offensiven Mittelfeld, mal im Sturm ein. Er ist torgefährlich, wenn er sich mit Anlauf durchsetzten kann, aber auch, wenn es im Sturmzentrum einer wendigen Aktion bedarf, um zum Abschluss zu kommen. „Nach der Gruppenphase werden viele über Rumänien reden“, sagt Mutu. Vielleicht auch weiter über ihn. Nur anders.

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