EM in Rostock : Druck auf die deutschen Wasserspringer

Die deutschen Wasserspringer haben bei der EM nach dem Debakel bei den Olympischen Spielen viel gutzumachen – zum Auftakt gibt es Silber für Tina Punzel und Sascha Klein

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Hat den Dreh raus. Patrick Hausding wurde bereits sieben Mal Europameister.
Hat den Dreh raus. Patrick Hausding wurde bereits sieben Mal Europameister.Foto: picture alliance / dpa

Eine halbe Stunde Eröffnungsveranstaltung gab es am Dienstag in der Rostocker Neptunschwimmhalle. Allein die Länge des zeremoniellen Teils belegt schon, welche hohen Stellenwert die Europameisterschaft im Wasserspringen wohl für die deutschen Gastgeber hat. Lutz Buschkow, Sportdirektor im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und in Personalunion Chefbundestrainer der deutschen Wasserspringer, sagt, schließlich sei die erste Großveranstaltung nach den Olympischen Spielen in London, eine Standortbestimmung. „Es ist sehr interessant, wie sich die Weltklasse jetzt nach personellen Umbrüchen und Karrierebeendigungen sortiert.“

Bei den Deutschen hat es vornehmlich bei den Frauen einige Veränderungen gegeben, die laut Buschkow nicht ohne Weiteres in ein paar Monaten zu kompensieren sind. Katja Dieckow (Halle/Saale) und Christin Steuer (Riesa) haben ihre Laufbahn beendet, die Aachenerin Uschi Freitag springt jetzt für die Niederlande. Und die Berlinerin Nora Subschinski, die wohl stärkste Deutsche gewesen wäre, fehlt in Rostock nach noch nicht auskurierter Verletzung. Zu gerne wäre die 25-Jährige um Medaillen gesprungen. Stattdessen steht nach einer Operation an der Halswirbelsäule weiter das Reha-Training an. „Es tut schon ein bisschen weh, nicht dabei zu sein “, sagt sie. Ihre Wassersprung-Teamkollegen will Subschinski nun von der Zuschauertribüne der Rostocker Schwimmhalle anfeuern.

Bei den Männern, die vom siebenmaligen Europameister Patrick Hausding vom Berliner TSC und dem achtmaligen Europameister Sascha Klein aus Dresden angeführt werden, sieht es deutlich besser für das deutsche Team aus. Buschkow sagt dann auch: „In den Männer-Konkurrenzen wollen wir Medaillen, bei den Frauen Finalplätze.“ Dass zu den Medaillen auch goldene zählen sollen, schließt der Cheftrainer ein, ohne es ausdrücklich zu benennen. „Wenn Patrick Hausding und Sascha Klein antreten, dann geht es zumindest kontinental immer um die Titel.“

Elf Wettbewerbe stehen bis Sonntag auf dem Programm, sechs Einzelkonkurrenzen bei Frauen und Männern (1-m-Brett, 3-m-Brett und Turm) sowie vier Synchronspringen von Brett und Turm. Zudem gab es am Eröffnungstag den erstmals ausgetragenen Teamwettkampf, bei dem sich die Dresdner Tina Punzel/Sascha Klein mit 384,00 Punkten hinter den Ukrainern Olexander Bondar und Julia Prokopschuk (413,20 Punkte) Silber sicherten.

Nachdem die Springer bei Olympia in London ohne Medaillen geblieben waren, wurde im DSV viel über Vorbereitung und Formaufbau der Wasserspringer diskutiert. Die Frage, ob er sich und seine Springer unter Druck sehe, beantwortet Lutz Buschkow mit einem interessanten Spruch: „Was heißt Druck? Druck gibt es nicht, es gibt nur Leistungsanforderungen.“ Und die sind bei der EM durchaus hoch. Denn die kontinentale Meisterschaft ist die Generalprobe für den Saisonschwerpunkt in einem Monat, die Weltmeisterschaft in Barcelona. ZDF und Eurosport haben längere Übertragungen im Fernsehen angekündigt, fast schon ein Ausnahmefall für diese Sportart.

Und die bis zum 23. Juni laufenden Titelkämpfe von Rostock sind auch ein Probelauf für weitere Wassersprung-Highlights in Deutschland: 2014 treffen sich die besten Europäer im Rahmen der Schwimm-EM in Berlin, 2015 findet die EM der Wasserspringer erneut in Rostock statt. Dann kann man sich übrigens mit dem Titel bereits für Olympia in Rio qualifizieren.

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