EM  Nebenschauplatz : Biergarten, Bayernflagge, van der Vaart

Verlockende Heimat. Doch der Besuch
Verlockende Heimat. Doch der Besuch

Der Deutsche Eric Aigner war einmal der Partykönig der Ukraine. Er betrieb Pubs, Restaurants, Nachtclubs. Dann hatte er viele Probleme, wahlweise mit der Mafia oder seinen Geschäftspartnern. Das liegt daran, dass er Verträge immer nur per Handschlag macht. Eric Aigner kam Mitte der Neunziger von Deutschland nach Kiew und fing klein an, mit „Eric’s Biergarten“. Spartanische Einrichtung, improvisiertes Programm. Doch schnell ging es steil bergauf. Vom Tellerwäscher zum Szenekönig. Später wurde er von der „Kiew Post“ in der Liste der einflussreichsten Kiewer auf Platz 18 gewählt.

Aigner ist längst weg aus Kiew. Er arbeitet in Odessa und in Donezk. Aus „Eric’s Biergarten“ wurde irgendwann „Biergarten“. Da solle man mal gewesen sein, als Deutscher in der Ukraine, so heißt es.

Hinter der Theke servieren Kellnerinnen Löwenbräu. Sie sprechen kein Bayrisch, kein Deutsch, nicht mal Englisch. Müssen sie auch nicht. Löwenbräu ist universal. Gleich beginnt das Spiel Deutschland gegen Dänemark. Schön, hier zu sein.

Das Spiel fängt an. Deutschland auf dem Fernseher, „Löwenbräu“ im Glas. „Heimat“, denke ich. Doch dann schaltet ein tätowierter Glatzenmann plötzlich um. Ich sehe Cristiano Ronaldo und Rafael van der Vaart, nein, denke ich, das ist verdammt noch mal das falsche Spiel. Der Laden heißt doch „Biergarten“! Steht draußen an der Tür! Weiß auf Bronze und dahinter die bayrische Flagge! Biergarten! Deutschland! Löwenbräu!

Der Glatzenmann lässt nicht mit sich reden. Niederlande gegen Portugal im „Biergarten“. Wenn Eric Aigner wüsste, was der Glatzenmann aus diesem einstigen Vorzeigeladen gemacht hat! Aber er ist nicht mehr hier. Ich vermisse ihn.

Ich stehe auf und gehe zur Fanmeile. Dorthin, wo Deutschland immer schon Deutschland war. Sogar in der Ukraine.Andreas Bock

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