EM  Nebenschauplatz : Butterbrote sind kein Verbrechen

Friss oder bleib draußen.
Friss oder bleib draußen.Foto: dapd

Eine Butterfahrt ist die Reise von Berlin nach Danzig nicht gerade. Dennoch machten wir uns auf den Weg zum Viertelfinalspiel der Deutschen gegen Griechenland – im Gepäck wie zu Kindertagen Stullen mit Leberwurst, Käse und was der Kühlschrank noch alles hergab. In unserer grenzenlosen Naivität hatten wir nicht bedacht, dass Butterbrote bei der Uefa mittlerweile unter das Waffengesetz fallen.

Unserem geschätztem Kollegen wurde der Eintritt in das Danziger Stadion verwehrt. Er wurde angewiesen, seine Butterbrote vor den Toren aufzuessen. Während wir also schon im Stadioninneren standen, mussten wir mitansehen, wie er sich mit einer Hand an das Gitter klammerte, mit der anderen Hand innerhalb einer Minute drei Leberwurstbrote in sich reinschaufelte. Kauernd und kauend. So brutal kann Fußball sein.

In diesen Momenten wurde uns endlich bewusst, warum manche Müttern ihren Kindern Schulbrote ohne Kruste mit auf den Weg geben – sie handeln lediglich gewaltpräventiv.

Und vielleicht bilden sich bald schon Fan-Initiativen wie „Butterbrote sind kein Verbrechen“ oder „Butterbrote legalisieren – Emotionen respektieren“. Die Uefa allerdings wird wohl erst einknicken, wenn auch die Stullen das Trademark ihrer Sponsoren tragen. Selbstverständlich werden dann auch wild feiernde Fans mit Broten in der Hand in den Fernsehbildern herausgeschnitten, um den Nachahmungseffekt und Trittbrotfahrer zu vermeiden.

Unser Kollege hat übrigens dann doch noch eine Stulle ins Stadion geschmuggelt. Um ein Verfahren des europäischen Fußballverbandes zu umgehen, werden wir ihn an dieser Stelle nicht namentlich erwähnen. Doch seine Heldentat bleibt unvergessen. Denn so war das 4:2 der deutschen Mannschaft für uns – dieses Wortspiel muss erlaubt sein – alles andere als brotlose Kunst.Ron Ulrich

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