EM  Nebenschauplatz : Wie Deutsche in Namibia die EM verfolgen

Im EM-Fieber. Deutsche Fußballfans in Namibia, hier bei einem Autokorso während der EM 2008. Foto: privat
Im EM-Fieber. Deutsche Fußballfans in Namibia, hier bei einem Autokorso während der EM 2008. Foto: privat

Auch wenn Polen und die Ukraine sehr weit weg sind – die Europameisterschaft hält auch die Fußballfans in Namibia in Atem. Kein Wunder, schließlich leben hier viele Europäer. Gerade die rund 10 000 Menschen mit deutschen Wurzeln sind verrückt nach Fußball, sie verfolgen die Euro hautnah und fiebern jedes Mal mit, wenn die deutsche Mannschaft aufläuft. Für mich, Stefan Fischer, Chef-Redakteur bei der „Allgemeinen Zeitung“ in Windhoek heißt das: ausführliche Vorberichte, detaillierte Spielanalysen und viele Impressionen aus dem deutschen Lager, das erwarten unsere Leser von uns. Bei den Texten müssen wir uns allerdings auf das Material der Nachrichtenagenturen verlassen. Wir selbst haben kein Personal vor Ort, dafür wäre der logistische und finanzielle Aufwand einfach zu groß.

Ein südafrikanischer Pay-TV-Sender hat sich die Übertragungsrechte gesichert und zeigt alle Spiel live. Natürlich kann man die Spiele vor dem heimischen Fernseher verfolgen, hier in Windhoek treffen sich aber inzwischen viele Deutsche zum Public-Viewing – in Sportvereinen, Bars oder in der Niederlassung des Goethe-Instituts. Zum ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal kamen immerhin mehrere hundert Zuschauer.

Ganze Fanmeilen wie in Deutschland gibt es aber natürlich nicht, dafür wäre es auch viel zu kalt, in Namibia herrscht momentan Winter. Während die Fußballer in der Ukraine bei tropischen Temperaturen spielen, sinkt das Thermometer hier nachts fast auf den Gefrierpunkt. Nicht gerade das beste Wetter, um draußen zu feiern ...

Zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor vier Jahren haben wir mit der „Allgemeinen Zeitung“ und einem Sportverein sogar einen Autokorso mit Fans von allen teilnehmenden Mannschaften organisiert, das hat riesigen Spaß gemacht! Gestern, am Tag nach dem Sieg gegen Holland, konnte man auf den Straßen schon wieder einige Autos mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen und Spiegelüberzügen sehen. Dafür, dass deutsche Muttersprachler nicht mal ein Prozent der namibischen Bevölkerung ausmachen, sieht man sogar erstaunlich viele geschmückte Fahrzeuge.

Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Englisch- oder afrikaanssprachige Zeitungen berichten eher spärlich über die EM. In Europa ist das Turnier gerade konkurrenzlos, in Namibia nicht. Wie in fast allen Ländern im Süden Afrikas ist Rugby die populärste Sportart. Wenn zum Beispiel das Rugby-Team von Südafrika beim Tri-Nations-Cup gegen England spielt, dann sind die Zeitungen voll davon. Daran kann auch eine Fußball-Europameisterschaft nichts ändern.Protokoll: Christoph Drescher

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