EM  Nebenschauplatz : William und Kate nass auf der Tribüne

Kunst und Tore. Im EM-Quartier am Postbahnhof bestaunten die Fans Spiele und Ausstellungen. Foto: promo
Kunst und Tore. Im EM-Quartier am Postbahnhof bestaunten die Fans Spiele und Ausstellungen. Foto: promo

Die Messlatte war hochgelegt nach den Erfahrungen im WM-Quartier 2010. Mexikaner mit Catchermasken feierten Arm in Arm mit freudetrunkenen Schland-Fans, daneben saß Rita Süsmuth. Doch auch das EM-Quartier hielt so manches Schmankerl bereit: Da rannte ein Spanier mit blankem Oberkörper völlig von Sinnen die Stufen rauf und runter – und das nur wegen eines gewonnenen Vorrundenspiels. Da blieben zwei unverwüstliche Anhänger der englischen Mannschaft im Dauerregen alleine auf der Tribüne und hielten eine „William und Kate“–Fahne hoch. Und nicht zu vergessen der Lokführer, der bei den Spielen der deutschen Elf mit schwarz-rot-goldener Fahne aus dem ICE grüßte.

Bereits nach den Viertelfinalspielen hatten über 30 000 Fußball-Fans das EM-Quartier von 11Freunde und Tagesspiegel am Postbahnhof besucht und ihr Kommen nicht bereut. Das Quartier bot nicht nur kulinarisch, sondern auch kulturell einige Höhepunkte. Sei es die Lichtinstallation des Künstlers Sylwester Luczak, die Konzerte der ukrainischen Bands „Foa Hoka“ und „Sobaki v kosmosi“ oder die zahlreichen Ausstellungen – auch abseits der Fußballspiele auf der großen Leinwand war für Unterhaltung gesorgt. Die beiden ukrainischen Autoren Serhij Zhadan und David Lortholary, der Journalist Olaf Sundermeyer oder auch der einst in Polen aktive Ex-Profi Uli Borowka gaben in Talkrunden auf der Bühne Einblicke in die Welt der Gastgeberländer.

Und letzten Endes war es auch an den polnischen und ukrainischen Fans im Quartier, das besondere Flair der EM zu verströmen. Beim Spiel Polen gegen Russland schaukelten sich die Anhänger gegenseitig und abwechselnd zu lautstarken Gesangseinlagen hoch. Und als Andrej Schewtschenko die Ukraine im Auftaktspiel gegen Schweden zum 2:1-Sieg köpfte, war das Quartier so blau-gelb wie Kiew. Dass aber die Nationalität relativ egal sein kann, solange die Fußballbegeisterung stimmt, zeigte ein Mann beim Spiel Frankreich gegen Spanien. Er fuhr in seinem Elektrorollstuhl vor der Bühne entlang und hielt die französische Fahne hoch. Auf dem Rückweg reckte er derweil die spanische empor.

Wer das stimmungsvolle Ambiente im Quartier noch nicht genießen konnte, hat heute die letzte Chance. Zum Finale zwischen Spanien und Italien öffnen sich die Tore im Postbahnhof ab 18 Uhr. Eine Frau stellte in der 88. Minute des torlosen Halbfinalspiels zwischen Portugal und Spanien die Frage, wann denn das Rückspiel sei. Eine Neuauflage der Spiele wird es zwar nicht geben, dafür aber höchstwahrscheinlich eine des Quartiers im Jahr 2014 zur WM. Und wir sagen schon jetzt: Die Erlebnisse von 2012 werden schwer zu toppen sein. Tsp/11F

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